SCHWALBE Fat Albert 2.35 EVO Reifen – Testfazit: von c_g
(Bisher dazu erschienene Artikel: Produktneuvorstellung (Eurobike’15), Testintro und Erste Eindrücke)

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In den letzten 1 1/2 Monaten durfte sich SCHWALBE’s neuer Fat Albert bei uns im Test bewähren – mit sehr gutem Erfolg.

Runde und so eigenartig geformte Stollen und dann noch einen Front- und Rear-spezifischen Reifen – was soll das denn alles bringen? Wer die ersten Praxiseindrücke zu dem SCHWALBE Fat Albert Reifenpaar gelesen hat, weiß, dass das Ergebnis ein außergewöhnlich potenter Satz Reifen für feuchte und nasse Waldböden ist. Es kommt nur selten vor, dass mich Reifen auf meinen Hometrails derart begeistern. Die Kombination aus dem maximal führungsstarken Vorderreifen und der tollen Vorwärtstraktion des HR-Reifens macht gerade dann richtig Laune, wenn es schmierig und schwierig ist.
Letzteres hat der Fat Albert Front und Rear in den vergangenen Wochen noch mehrfach unter Beweis gestellt und mir immer wieder gezeigt zu was ein doch recht leichter Allroundreifen doch in der Lage sein kann.

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Bei griffigen Verhältnissen sind die beiden Fat Alberts weiterhin sehr gut – der Abstand zu anderen Trailreifen wird dann aber weniger deutlich.

Jüngst kamen zu meinen Erfahrungen auch die mehr abtrocknenden und immer griffigeren Trails hinzu, bei denen die Fat Albert Brüder mir zwar weiterhin viel Spaß gemacht haben, aber sich nicht mehr so herausragend gegeben haben, wie vorher bei widrigen Bedingungen. Das soll heißen, dass sie sich dort wo andere Reifen auch sauber führen und gut greifen auch die Rundlinge einfach eine gute Figur abgeben, sich aber einfach nur „normal“ angefühlt haben. Einmal darüber nachgedacht ist das ja auch wieder ein Lob an die Reifen, aber irgendwie hatte ich mir aufgrund der unglaublichen Performance bei Nässe wohl doch etwas mehr „Andersartigkeit“ erwartet.
Wie dem auch sei, bei den derzeit gutmütigen Bedingungen mit griffigem Boden, trockenen Wurzeln usw. sind die Fat Alberts weiterhin extrem traktionsstark, führen sauber über jeden Untergrund und haben einen sehr späten und wunderbar kontrollierbaren Grenzbereich – alles sehr positive Eigenschaften.

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Auf den steilen Asphaltauffahrten am Gardasee wurde das holprige Abrollverhalten und leichte Abknicken der Stollen des Far Albert Rear besonders deutlich.

Nur der Fat Albert Rear ist mir mit zunehmend harten Böden als immer mehr als ein Reifen aufgefallen, der doch spürbare Vibrationen erzeugt. Ich hatte bereits in meinen ersten Praxiseindrücken angemerkt, dass der Hinterreifen durch sein offenes, schaufelartiges Design etwas „holprig“ rollt und genau der Eindruck verstärkt sich je härter der Untergrund. Hinzu kommt, dass der FA-Rear auf der Ebene nur durch Vibrationen auffällt, je stärker die Bergaufneigung aber wird, auch mit flexenden Laufstollen den Vorwärtsdrang ein wenig hemmt. Auf einem Kurztrip an den Gardasee konnte ich das sehr eindrücklich erleben indem ich damit die steilen Asphalt-Strassen der Region hochgekurbelt bin. Hier hat der Hinterreifen mir meine Anstrengungen kontinuierlich durch das deutlich hör- und spürbare Zurückschnellen der Stollen, wenn sie den Asphalt verlassen vor Augen geführt.

Zum Vergleich habe ich am Folgetag einen Satz Magic Mary aufgezogen und hatte tatsächlich den Eindruck dass selbst dieser doch sehr grobe Reifen hier sanfter abrollt. Ich gehe nicht so weit zu sagen, dass der effektive Rollwiderstand des Fat Albert Rear mit PaceStar Compound tatsächlich höher ist als der Magic Mary mit TrailStar, aber dem Gefühl nach würde ich beide in etwa gleich auf Setzen mit den Nachteil, dass der Fat Albert mich das auch psychisch durch sein Rubbeln etwas mehr hat „spüren lassen“. Hier würde ich mir für zukünftige Trail-Abenteuer mit Lago-Charakter in Zukunft wohl eher wieder den Rock Razor hinten aufziehen und den Fat Albert Rear für seine Paradedisziplin „Waldböden“ aufsparen.

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Auch auf dem oft losen Gardasee-Schotter war die Fat Albert Kombi eine souveräne Wahl – obgleich Endureigen wie der Magic Mary es noch etwas besser können.

Bei dem Vergleich kam es mir natürlich auch auf den direkten Performancevergleich in dem typischen Lago-Schotter, in Geröll und auch über Felsen an. Ich hatte hierfür auch extra die Fat Alberts mit Procore ausgestattet um die Duchschlagsreserven der weichen Karkasse noch etwas zu optimieren.
Insgesamt hat sich die Fat Albert Reifenkombi auch hier sehr gut geschlagen. Verglichen mit einem SCHWALBE Nobby Nic, CONTI Mountain King II, WTB Vigilante oder ähnlichen Reifen der 800-g-Gewichtsklasse liegt er auch hier definitiv gleich auf und verwöhnt mit sehr viel Traktion und Sicherheit. Unter diesen Bedingungen mit oft heftigen Seitenbelastungen an Felskanten und in dem groben Geröll bleibt die Kombi auch weiterhin sehr gut beherrschbar und sicher zu fahren und nur gelegentlich kam es zu Situationen in denen die Seitenstolle doch etwas zu flexibel waren. Das ausgesprochen konnten die Fat Alberts es dennoch nicht ganz mit der vorbildlichen Fahrsicherheit und Souveränität des Magic Mary aufnehmen, der sich sowohl auf tiefem Schotter, wie auch in verblocktem Gelände einfach noch einen Tick souveräner fahren lässt.

Dass einen der Fat Albert aber nicht zurückhält und einen forscheren Fahrweise ermutigt als es die flexible Karkasse verkraftet, zeigt sich für mich aber unter anderem daran, dass ich es hier am Lago erstmals geschafft habe mir in das Procore-System einen Defekt zu fahren. Bei einem recht forschen Drop bin ich direkt auf einer Felskante gelandet und habe so einen recht ordentlichen Durchschlag provoziert – scheinbar ohne Folgen, aber unten angekommen ist mir aufgefallen, dass ich nun mehr Druck im Hauptreifen hatte als vorher. Bei der späteren Untersuchung hat sich das in Form eines kleinen Snakebites in dem Procore-Butyl-Innenschlauch selbst erklärt der seine 4 bar so allmählich in den Hauptreifen hat entweichen lassen. Mit einem normalen Reifen ohne Procore hätte die Felge definitiv eine ordentliche Delle bekommen – so konnte ich die Fahrt ohne weiteres beenden und bis auf das Flicken des Innenschlauchs war nichts weiteres zu tun als den Reifen zu demontieren und den Innenschlauch zu flicken. Danke Procore!

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Ohne Procore als zusätzlichen Durchschlagschutz hätte ich die Reifen auf den felsigen Lago-Trails sicher nicht voll ausfahren können.

Im Rückschluss könnte man also sehr wohl sagen, dass der Fat Albert ein derart sicherer und starker Reifen ist, dass es aus meiner Sicht keineswegs überflüssig wäre, ihn auch in einer noch robusteren Karkassenausführung aufzulegen.

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Testfazit: Während der letzten Phase des Tests ist mir immer wider das 80er Jahre Lied „When the going get’s tough – the tough get going …“ in den Sinn gekommen.
Bei normalen Verhältnissen mit griffigen Trails und bei Trockenheit gibt sich die Kombi aus den beiden Fat Alberts sehr gutmütig, traktionsstark und gelassen – bis auf ein etwas holpriges Abrollen des Hinterreifens auf hartem Untergrund habe ich hier keine echten Schwächen entdecken können. Bei solchen Bedingungen sine die Fat Albert-Brüder einfach gute und zuverlässige reifen mit hohen Sicherheitsreserven.

70c PYGA Stage MaxDann, aber wenn die Trails weniger zum Biken einladen, wenn weiche Böden andere Trailreifen schnell ihre Grenzen aufzeigen, erheben sich die Fat Alberts wie Phoenix aus der Asche und zeigen was sie wirklich können. Hier stellen die beiden Reifen für mich die nächste Evolutionsstufe von Trailreifen dar und beiten eine derartig beeindruckende Führung und Traktion, dass sie echten Enduroreifen der 1000-g-Klasse ernsthaft Konkurrenz machen. Vor allem der Vorderreifen ist hier mit seiner unglaublichen Kurvenführung als echtes Highlight hervorzuheben, wobei auch der Hinterreifen mit der erstklassigen Traktion nur wenig nachsteht. Während manche ähnlich sichere reifen eine Fahrweise haben unter der sie am besten Funktionieren, ist es dem Fat Albert scheinbar egal. Auch dadurch empfiehlt er sich für nahezu jeden Fahrstil.

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Insgesamt ergeben der SCHWALBE Fat Albert Front und Rear eine erstklassige extrem traktionsstarke Kombi für die hier in Mitteleuropa oft wechselnd feuchten Bedingungen auf erdigen und wurzeligen Waldtrails. Fahrer denen Traktion über Leichtlauf geht und die auch dann noch fahren wollen, wenn andere Reifen schon „zickig“ werden, machen hier garantiert nichts falsch. Bei eher trockenen Bedingungen, auf eher festen Oberflächen und über felsigen Untergrund bleibt der sehr gute Eindruck erhalten, der Performancevorteil gegenüber anderen Reifen wird dann aber geringer bzw. verschwindet vollkommen. Für lange sommerliche Touren und zum Kilometersammeln auf hartem Untergrund würde ich zu einem leichter und weicher rollenden Hinterreifen raten.
Für mich, meine Fahrweise und Hometrails ist die Fat Albert Kombi einfach ideal und wird künftig als neue Trailreifenreferenz herhalten.

RIDE ON,
c_g