NORCO Sight 9.2 – Testintro: von c_g

Letztes Jahr hat uns NORCO mit ihrem Optic 9.2 und dessen Vielseitigkeit (trotz seines eher mageren Federwegs) positiv überrascht. Vor etwas weniger als einem Monat kam die kanadische Marke dann mit den News ihre komplett überarbeitetem All-Mountain Bikes Sight Carbon, auch wieder als 27,5 und 29er und ich kann offen gestehen … ich war neugierig.

Das Sight ist der jüngste Zugang im NORCO Portfolio und kommt ab sofort auch im 29er Format.

Und während wir darin geübt sind diese Neugierde zu zügeln, war das in den Fall gar nicht notwendig, denn NORCO hat uns mit der Auslieferung der ersten Testbikes gleich ein Sight Carbon 9.2 zum Test zur Verfügung gestellt.

Kaum vorgestellt, dürfen wir das NORCO Sight Carbon bereits testen – hier in der 9.2 Version.

Um nicht die komplette Vorstellung von damals hier im Intro noch mal zu wiederholen hier das ganze in Kurzform:

  • Federweg 29er: 130 mm am Heck und 140 mm an der Front (beim 27,5er je 10 mm mehr)
  • Bewährte und leicht überarbeitete R.T.-Viergelenkerkinematik für eine noch aktivere Federung bei gleichzeitig höherer Effizienz.
  • Carbon-Hauptrahmen und –Sitzstreben, Aluminium Kettenstreben und Umlenkwippe
  • Moderne Geometrie (mit 67° Lenkwinkel, 74,3! Effektivem Sitzwinkel, ordentlich langem Oberrohr, mit 432 mm kompaktem Hinterbau und 36 mm Tretlagerabsenkung …. um nur die wichtigsten Eckdaten zu nennen)
  • Ein wichtiger Aspekt in dem Konzept war auch hier durch format-spezifische Maße das Handling des 29ers und des 27,5er Bikes möglichst ähnlich zu halten.
  • Metrischer Trunnion-Dämpfer
  • Gravity Tune Grundphilosophie, bei der mit der Rahmengröße nicht nur der Hauptrahmen wächst, sonder mit ihm auch der Hinterbau … um den Fahrer weiterhin perfekt mittig im Rahmen zu platzieren.
  • Size Scaled Tubing mit für jede Rahmengröße optimierten Rohrquerschnitten für die gleichen Fahreigenschaften findet man beim NORCO Sight wieder..
  • Sight 29er in den Größen Medium bis XL (Sight 27,5“ in XS bis XL)
  • Boost Standard vorne und hinten – der erhöhten Rahmen- und Laufradsteifigkeit wegen

Unser Testbike ist das mittlere der drei Sight Carbon 29er Modelle, das Sight Carbon 9.2 in der Größe Large (47 cm). Wie alles NORCOS der jüngeren Generation, bleibt auch das Sight 9.2 der typisch tiefen Formgebung treu, die uns auch schon beim Optic gut gefallen hat.

  

  

Die auffällig grellgelbe Lackierung ist ein echter Blickfang (und ein Alptraum den Farbton mit der Kamera richtig zu zeigen ;-)). Je nach Lichteinfall erscheinen die eigentlich dunkel-olivegrünen Dekore mal schwarz und mal grün. Eine Wahrhaft eigenwillige und zugleich interessante Farbgebung, die wenig Raum für den Begriff „dezent“ lässt. Was die Formgebung angeht, finde ich den der Rahmen auch wieder sehr gelungen – formschön und dynamisch.

Besonders auffällig ist dabei das extrem kurz geratene Steuerrohr. Während andere Hersteller in der Rahmengröße gerne mal ein 120 bis 140 mm langes Steuerrohr verbauen, begnügt sich das Sight hier mit wirklich minimalen 94 mm! Wer bei bisher damit zu kämpfen hatte das Cockpit seines 29er niedrig genug zu bekommen, wird hier definitiv keine Schwierigkeiten damit haben. Gott sei Dank hat NORCO den Gabelschaft aber ordentlich lang belassen und gleich einen kleinen Spacerturm mitgeliefert, damit auch weniger Fahrer mit weniger extremen Vorlieben eine ideale Sitzposition finden.
Die Zugführung ist im Hauptrahmen komplett intern und dürfte dank der großen angeschraubten Einlässe sowohl servicefreundlich wie auch klapperfrei sein. Interessant, ist, dass das Schaltkabel das Unterrohr über eine Öffnung unten verlässt und extern zum PM-Bremssockel verläuft, während die Bremsleitung vor dem Tretlager oben aus dem Unterrohr austritt und in der Kettenstrebe geführt wird.
Auch hier kommt wieder eine mehrteilige, verschraubte Umlenkwippe zum Einsatz.

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Die Ausstattung des NORCO Sight Carbon 9.2 hat mich auf Anhieb überzeugt:

Beim Antrieb greift man auf die derzeitige Referenz in Sache Zuverlässigkeit zurück iund hat eine SHIMANO XT gewählt. Das 30-Zahn Einfach-Kettenblatt und die 11-46 Kassette mit 11 Gängen garantieren eine gute Kletterfähigkeit wenn es bergauf geht. Ob man bergab einen schnelleren Gang als 30/11 vermisst hängt wohl stark vom Fahrertyp ab – mir wird er vermutlich nicht abgehen. Das Schaltwerk ist ein bewährtes XT mit Shadow Plus Schwingungsdämpfer. Auch die Bremsen (vorne und hinten mit 180 mm Scheiben) stammen aus der SHIMANO XT Gruppe, wobei ich hier schon des Öfteren eine gewisse Inkonsistenz beim Druckpunkt bemängeln musste.

Die Federelemente sind eine stealth-black gehaltene ROCK SHOX Pike RC Federgabel mit 140 mm und der oben bereits erwähnte ROCK SHOX Deluxe RT3 Debonair Trunnion-Dämpfer mit 130 mm Federweg am Heck – übrigens der erste seiner Art, den ich in einem test fahre. Der neue Deluxe soll ja noch feinfühliger und effizienter sein als seine Monarch Geschwister.

Vorne maximaler Grip mit SCHWALBEs Marc Mary …

und hinten mit etwas mehr Fokus auf die Rolleigenschaften und einem Nobby Nic.

Bei den Laufrädern ließ man sich nicht lumpen und während ich beim Optic noch die 24 mm breiten Felgen kritisch angemerkt habe, finden sich am Sight Carbon 9.2 mächtige RACE FACE AR 30 Felgen mit 30 mm Innenweite (die „AR“ ist die etwas einfachere, weil gesteckte OE-Variante der geschweißten „ARC“ Felge), die sich um DT SWISS Comp Speichen und SHIMANO XT Boost Naben drehen. Bei den Reifen glaub NORCO auch weiterhin daran, dass es sinnvoll ist einen griffigen Vorderreifen mit einem leichter rollenden Hinterreifen zu kombinieren und spezifiziert beim Sight Carbon 9.2 deswegen einen SCHWALBE Magic Mary 2,35 TrailsStar vorne mit einem Nobby Nic 2,35 TrailStar … eine in meinen Augen gute Wahl.
Das Cockpit stellt RACE FACE mit einem Aeffect Vorbau (35 mm Klemmung und 50 mm Länge), einem Atlas Alulenker (800 mm Breite mit 20 mm Rise) und Nelson Schraubgriffen. Die Sattelstütze ist eine ROCK SHOX Reverb Stealth der jüngsten Generation (an der aufgelaserten Banderole kurz unter dem Stützenkopf zu erkennen) mit zeitgemäßen 150 mm Absenkung. Der Sattel ist ein recht schmal und straff wirkender SDG Circuit Mtn. Als kleines funktionelles Upgrade hat NORCO dem Sight Carbon noch eine kleine, aber feine ONE-UP Kettenführung spendiert, welche an dem angeschraubten ISCG05-Ring befestigt ist (siehe das Foto der Kurbel weiter oben).

Das NORCO Optic auf seinem ersten Trailausflug – hier noch schön sauber …

Das NORCO Sight Carbon 9.2 Komplettbike in Rahmengröße Large kommt damit auf vernünftige 13,65 kg, bei einem empfohlenen VK von 4799.- Euro. Alles in allem wirkt das Sight sehr durchdacht, solide konstruiert und hochwertige ausgestattet – auf den ersten, näheren Blick sind mir keine Patzer aufgefallen. Mal schaun, ob der positive erste Eindruck auch auf dem Trail anhält.

RIDE ON,
c_g