DEANEASY Tube+ (Doppelkammersystem) – Dauertestfazit: von MiMü
(dazu bisher erschienene Artikel: Intro und Montage, Erste Eindrücke sowie ein zwischenzeitliches Update)

Manche Testprodukte funktionieren so auffällig unauffällig, dass die Testdauer wie im Fluge verläuft. Ganze sechs Monate war unser Exemplar vom Doppelkammersystem DEANEASY Tube+, dem italienischen Pendants zu SCHWALBE’s Procore, im Einsatz – Zeit für mich ein Fazit zu ziehen.

DEANEASY Tube+ besteht aus dem Tublar-Innenreifen, dem Ringventil und einem Luftleitplättchen (gelb).

Montage und Handling: Für Technikmuffel oder Leute mit zwei linken Händen ist die etwas aufwändigere Montage von DEANEASY schon mal definitiv nichts. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man durch das Aufbohren der Felge jeglichen Garantie- oder Gewährleistungsanspruch dem Hersteller gegenüber verliert. Auch der Umgang mit Zwei-Komponenten-Kleber sollte bekannt sein, immerhin erfordert das äußerst klebrige Zeugs schnelles und exaktes Arbeiten. Hat man diese beiden „Hürden“ bei der Montage aber erst einmal überwinden, ist der Rest selbsterklärend und ein Kinderspiel.


Bei der abschließenden Demontage des Systems nach gut 6 Monaten hatte sich der Kleber in eine bräunlich schimmernde und recht brüchige Masse verändert, die sich problemlos mit dem Fingernagel vom Felgenbett lösen lies. DEANEASY empfiehlt in der mitgelieferten Anleitung zwar besagte Teile mit Hilfe eines Föns oder ähnlichem zu erwärmen, aber bei unserem Exemplar war der Kleber allerdings schon dermaßen spröde, dass sich beide Ventile mit wenig Kraftaufwand demontieren ließen. Der Kleber war also definitiv nicht die optimale Langzeitlösung. Auch die im zwischenzeitlichen Update monierten, gelegentlich mit tubeless-Milch verstopften Ventile des Hauptreifens funktionierten bis zuletzt einwandfrei und ohne jede Auffälligkeiten.

DEANEASY Tube+ ist nicht nur etwas für Gravityfahrer – mit gerade mal 170 g Mehrgewicht pro Reifen macht es auch auf dem Touren- und Trailbike Sinn.

Fahreindrücke: Was die Praxiseindrücke angeht, war Tube+ für mich nicht weniger als ein großes Aha-Erlebnis. DEANEASY gibt Luftdruckwerte für unterschiedliches Terrain an. Diese Werte bieten dem Fahrer eine wirklich sehr praktikable Starthilfe. Im Laufe der Zeit entwickelt man dann ein Gespür dafür, wie viel oder wenig Luftdruck noch notwendig ist um den Reifen zu seiner Höchstleistung zu bringen. In den vergangenen sechs Monaten durfte DEANEASY sein Potential bei unterschiedlichsten Reifen beweisen: Anfangs kamen die MAXXIS-Brüder Highroller II 2,3“ und Ardent 2,4“ zur Verwendung, im Anschluss daran montierte ich ein Paar ONZA Ibex 29×2,4, kurzzeitig zog ich ein aus dem Vorjahr stammendes Pärchen SCHWALBE Nobby Nic 2,35“ auf, letzten Endes spulte ich die meisten Kilometer aber mit unserem, ebenfalls aus Bella Italia stammenden VITTORIA Morsa 2,3″ ab.

Der VITTORIA Morsa mit seinen verstärkten Flanken ist geradezu prädestiniert für niedrige Drücke.

Wie nicht anders zu erwarten spielte DEANEASY sein volles Potential genau dann aus, wenn ich einen Reifen mit stabiler Seitenwand wählte. War die Performance von Highroller / Ardent schon sehenswert, steigerte sich der Fahrspaß beim Ibex noch mal und erreichte beim Morsa seinen Höhepunkt. Dank der widerstandsfähigeren TNT Seitenwände beim VITTORIA-Reifen, ließ sich der Luftdruck bis auf 0,9 bar absenken ohne dabei ungewollte Walkbewegungen und einen subjektiv höheren Rollwiderstand zu produzieren. Die mit 24 mm recht schmale Felge unseres Testlaufradsatzes sorgte für einen beinahe kreisrunden Reifenquerschnitt, wodurch die Seitenstollen deutlich über die Seitenwand hinausragten. Dank des Tubular-Innenreifens musste ich mir nie Gedanken um die Folgen von Snake Bites machen. Zwar schlugen alle getesteten Reifen ab und zu mal durch, der Tubular dämpfte aber zuverlässig ab und nahm den Schlägen ihre Maximalenergie. Wenn ihr mich fragt war der Tubular hauptverantwortlich dafür, dass während der gesamten Testzeit keine einzige Reifenpanne zu verzeichnen war.

     

Fazit: Vor unserem Langzeittest hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass Luftdrücke um die 0,9 Bar noch ein ordentliches Fahrverhalten ermöglichen. Aber DEANEASY Tube+ hat mich eines Besseren belehrt. Wer bereit ist, seine Felgen anzubohren (darin sehe ich den größten Nachteil gegenüber SCHWALBE’s Procore), ein wenig bastlerisches Geschick mitbringt und sich mit der Materie „Luftdruck“ näher auseinandersetzen möchte, der wird seine Reifen (und auch sein Bike) vollkommen neu kennenlernen. Tube+ bietet dem Piloten eine nahezu optimale Kombination aus hohem Grip bei trotzdem tadellosem Pannenschutz.
Mittlerweile wurde auf der EUROBIKE ja der nochmals verbesserte Nachfolger vorgestellt. Ein breiterer Tubular ermöglicht jetzt auch den Einsatz mit 25-30mm breiten Felgen, zudem entfällt das Verkleben von Ringventil und Adapter – einfache Schraubensicherung soll die beiden Teile dauerhaft verbinden. Mit dem italienischen Komponentenhersteller GIST hat man sich zudem einen Felgenproduzenten mit ins Boot geholt, der die Fertigung der mit einem (jetzt) 10mm messenden Ventilloch übernimmt. Endverbraucher, die ihre bestehenden breiten Felgen mit Tube+ nachrüsten möchten, kommen aber weiterhin nicht drum herum, den geliebten Aluminiumrundling mit einem größeren Ventilloch zu versehen.

MiMü