AMERICAN CLASSIC SMOKIN’ GUN 27,5+ Plus – Testfazit: von MiMü
(dazu bisher erschienene Artikel: Testintro und Erste Eindrücke)

Die AMERICAN CLASSIC Smokin’Gun Laufräder haben gut 5 Monate im Daueransatz bestens überstanden.

Schön langsam setzt sich der Frühling durch, der Schnee verschwindet und die Trails trocknen auf. Nach immerhin fünf Monaten aktiver Testphase ist es nun Zeit für den den AMERICAN CLASSIC Smokin’ Gun Laufradsatz ein Testfazit zu schreiben. Auch wenn der offizielle test damit beendet ist, darf der schikce Plus-Laufradsatz bei uns noch nicht in den Ruhestand, sondern wird weiterhin als Platform für unsere Plus-Reifentestests herhalten. Das witterungsbedingt etwas verspätetete Trail-Fazit zum ONZA Canis 27,5×2,85″ steht ja auch noch aus, wird aber in Kürze folgen.

Am LAST Fastforward war der AC Laufradsatz mit diversen Plusreifen unterwegs.

Mit seiner großzügigen Felgenbreite von immerhin 40mm ist der Smokin’ Gun natürlich prädestiniert für die aktuell sehr angesagten Plusreifen. Die ausladende Abstützung hat dabei gleich mehrere Funktionen. Zum einen steigert sie die Stabilität der Reifen was mehr Freiheiten bei der Auswahl der Reifendrucks bringt. Dadurch kann man sich genau den optimalen Luftdruck suchen, der optimalen Fahrkomfort und auch die beste Traktion bietet.. Selbst bei Luftdrücken um die 0,8bar neigte keiner der Testreifen zu übermäßigen Walkbewegungen oder hatte je Luftverlust durch Burping. Die eingeschlagene Linie wurde zielsicher getroffen. Man darf von den Plusreifen zwar nicht das sportlich-direkte Trail-Surfen von normal breiten Reifen bis 2.4“ erwarten – hier sind die Plusreifen klar im Nachteil – aber insbesondere auf weichen und losen Böden spielen die 3“ breiten Rundlinge ihre Vorzüge voll aus. Nicht zu vergessen der deutlich gesteigerte Komfort gegenüber den schmäleren Reifenkollegen, der vor allem Fahrten über Wurzelteppiche oder gobes Geröll deutlich angenehmer macht.

Neben diesen Steinstufen, waren die Laufräder mit so manchen anderen Herausforderungen konfrontiert. Bis jetzt ohne jede Schäden, Seiten- oder Höhenschlag.

Durch die enorme Felgenbreite ist man unterbewußt sehr leicht verleitet, bei der Linienwahl etwas nachlässig zu werden und einfach mal drauf zu halten. Durchaus hohe Anforderungen für einen Laufradsatz und meine gelgentlihen Fahrfehlern haben es ihm auch nicht leichter gemacht. Dank der klassischen Einspeichung und 32 konifizierter Speichen gab es bei den AMERICAN CLASSIC Smokin’ Gun Laufrädern aber weder am Vorder- wie Hinterrad noch am Hinterrad je Ärger deswegen. Die Laufräder sind sehr hochwertg und stabil aufgebaut und haben in der gesamten Testphase musste ich nur am Hinterrad ein paar Speichen nachspannend. Ansonsten bleib der Laufradsatz abolut frei von Seiten- und Höhenschlägen.

Schwachstelle Reifenflanken – mit den breiten Felgen ragen die Seiten natürlich noch weiter heraus.

Die Felgenbreite hat aber auch ihre Kehrseiten. Das Verhältnis aus Reifenbreite und –höhe nimmt natürlich zugunsten der Breite zu und die Profilwölbung wird dadurch natürlich flacher. Je nach Reifen, hier gibt es große Unterschiede, nähert sich das Fahrverhalten auch mal dem eines Fatbike-Reifens an. Insbesondere beim VEETIRE Crown Gem 3.0″ trübte diese Tatsache gerade auf festem untergrund den Fahrspaß und ich habe mich des öfteren gefragt ob eine schmälere Felge von 35 mm Innenweite dem Reifen nicht gut getan hätte. Natürlich spielt bei dem Thema Selfsteering & Co. auch der gewählte Luftdruck eine entscheidende Rolle – viel mehr noch als bei den klassischen Reifenbreiten. Hier den goldenen Mittelweg aus Kurvenverhalten, Rollwiderstand und Fahrkomfort zu finden, ist mitunter nicht leicht

Wo wir schon bei der Diskussion zur Felgenbreite sind: Die Reifenflanken aller bisherigen Testkandidaten (WTB Bridger und Trailboss 3,0″, VEETIRE Crown Gem 3,0″ und aktuell der ONZA Canis 2,85″) sind fast immer der breiteste Teil der Reifen wodurch sie gegenüber Steinen oder scharfkantigen Felsen zum Teil recht schutzlos ausgeliefert sind. Zwar bin ich während unseres Tests von derarteigen Reifenpannen verschont geblieben, was auch für die Effetktivität der in die Seitenwände meist integrierten Schutzgürtel spricht. Auf Dauer dürften die Reifenflanken auf ein sensibles Glied in der Pannenschutzkette darstellen. Mit etwas schmäleren Reifen wäre das zwar auch besser, aber die anderen Eigenschaften wären dann unter Umständen kompromitiert. Hier sehe ich vor allem auf der Seite der Reifenhersteller noch einen gewissen Optimierungsbedarf.

Bei der abschließenden Demontage von Reifen, Kassette und Bremsscheiben zeigten sich der AMERICAN CLASSIC Smoking  Gun Plus-Laufradsatz in hervorragendem Zustand und weitgehend unbeeindruckt von den letzten 5 Monaten Dauereinsatz.

Die Felgen mit ihren lediglich 1,5 mm schmalen Felgenhörnern zeigten bei der Abschlusskontrolle keinerlei Dellen als Folgen ungewollter Bodenkontakte … und das trotz einiger auf die niedrigen Luftdrücke zurückzuführende deutlicher Durchschläge. AMERICAN CLASSIC hat hier offensichtlich eine stabile und gleichzeitig leichte Aluminium-Legierung verwendet.Optisch waren an den Felgenoberflächen nur minimale Kratzer zu erkennen, was bei der intensiven Nutzung durch den matschigen Herbst und Winter keine Selbstverständlichkeit ist. Über das bereits werksseitig montierte Tubeless-Dichtband und wie die aktuelle Version Schwächen in der klebekraft hat, berichteten wir euch ja schon in den Ersten Eindrücken, Bereits nach kurzer Zeit musste ich am Hinterrad schon eines davon durch ein Aftermarket-Produkt ersetzen. In den letzten Wochen des Tests entwickelte dann auch das Vorderrad einen schleichenden Luftverlust am Dichttape. Hier hat AMERICAN CLASSIC aber bereits gelobt nachzubessern und ein noch besseres Tubelessband zu verbauen.

 

Auch über die Qualität der Naben gibt es nur Positives zu vermelden. Trotz der einfach wirkenden, Gummikappe zur Abdichtung laufen sämtliche Edelstahllager unbeeindruckt leichtgängig und seidenweich. Die Dichtung funktioniert offenbar so gut, dass nicht einmal Staub in den Nabenkörper eindringen konnte. AMERICAN CLASSIC zeigt hier wie einfach und gleichzeitig effektiv man Nabenkörper abdichten kann – Bravo!
  

Beim aus Aluminium gefertigten Freilaufkörper lassen sich wegen der speziellen, patentierten Stahlinsekts (die mittlerweile sogar SYNTACE in Lizenz verbaut) an jeder zweiten Rippe lediglich leichte Kerbspuren der Kassette erkennen,  . Die Freilaufverzahnung per Sperrklinken arbeitet wie am ersten Tag – zuverlässig und schnell. Auch hier drehen sich die Lager weitehin sehr leicht und ich konnte keinerlei Verschmutzung feststellen – lediglich eine leichte Graufärbung des Schmierfettes durch den metallischen Abrieb der Sperrklinken war zu erkennen.

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Testfazit
(& mein Plädoyer fürs Plusformat)

Der AMERICAN CLASSIC Smokin’ Gun ist ein wirklich spannender Verteter der noch jungen Sparte von Plus-spezifischen Laufrädern. Mit seinem ausgesprochen niedrigen Gewicht von lediglich 1780 g für den kompletten Laufradsatz bei stattlichen 40 mm Innenbbreite, dazu sehr gute Tubeless-Eigenschaften (vom nicht sehr haltbaren Tape einmal abgesehen J), den Top-Naben ist der Smokin Gun sicher ein heißes Eisen. Mit seinem VK von 899.- ist er zwar kein klassisches Schnäppchen, aber wer auf der Suche nach einem derart leichten und breiten Laufradsatz ist, findet sonsnt nur wenige Alternativen.

Wenn ihr ein plus-kompatibles 29“ Bike besitzt und Interesse an was Neuem habt, dann kann ich euch nur ermutigen euch einen ordentlich breiten Plus-Laufradsatz wie den Smokin’Gun zuzulegen. Das andersartige Fahrgefühl ist ein Erlebnis und hat mich durchaus begeistert. Vor allem am Hinterrad Der deutliche gesteigerte Fahrkomfort, stabileres Handling und höhere Brems- wie Antriebstraktion verleihen gerade auf matschig-tiefen Böden nahezu Flügel. Klar, man muss bereit sein sich mit dem Thema Luftdruck auseinander zu setzen – aber der Aufwand lohnt sich.
Durch den Plus-Laufradsatz aus USA hat mein LAST Fastforward Hardtail ein zweites interessantes Gesicht bekommen, ein bischen wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hide. Auf der einen Seite das sportlich-direkte Fahrverhalten der relativ schmalen 29er Pneus, auf der anderen Seite das komfortablere, aber auch leicht indirekt wirkende Rollverhalten der Plusreifen.

MiMü