WTB Vigilante 2.5“/2.6″ und Trail Boss 2.4“ – Praxiserfahrungen: von c_g
(bisher hierzu erschiene Artikel: Neue WTB Reifen 2019 und Testintro Vigilante 2.5“ & Trail Boss 2.4“)

WTB („Wilderness Trail Bikes“) hat sein Sortiment an Reifen für 2019 ordentlich ausgebaut und uns schon die ersten ’19er Modell zum Test geschickt. Hier meine ersten Eindrücke.

Als ich euch Ende September die neuesten Reifen von WTB vorgestellt habe – die zwei oben genannten sogar gleich zum Test – war meine Erwartung, dass der Herbst und mit ihm wechselhafte Trail-Bedingungen bald kommen würde Doch statt herbstlich, wechselhaftes Wetter bescherte uns der Frühherbst anhaltend ideale Bedingungen –statt rutschig nass eher eine Mischung aus erdigem Hero-Dirt und sommerlichem „Loose over Hardpack“. Obwohl die Eindrücke damit noch ein wenig lückenhaft sind, gibt es dennoch schon einiges von den beiden Reifen zu berichten.

Die meiste Zeit, ist die WTB Kombi bestehend aus Vigilante 2,5″ vorne und Trail Boss 2.4″ hinten auf dem ALUTECH Cheptrock gelaufen. Verschärfte Bedingungen auf dem potenten Hardtail.

Die Montage der 2019er WTB Reifen und ihre Tubeless-Eigenschaften sind schnell abgehandelt. Genau wie wir es auch von den anderen WTB TCS Reifen gewohnt sind erfordert die Erstmontage ein wenig Kraftaufwand, geht aber auf den meisten Felgen ohne zusätzliche Hilfsmittel. Das erstmalige Schlauchlos-Aufpumpen und das Lufthaltevermögen der Reifen war auch hier erstklassig. Schin mit der Standpumpe haben die Reifen Druck aufgebaut und ihn in beiden Fällen auch ohne Dichtmilch über 24 h sehr gut gehalten.  Die spezielle TCS Reifenwulst ist bei ca. 2 bar deutlich hörbar auf die Felgenschulter gesprungen und hat selbst bei Drücken bis um 1,0 bar in der Praxis keinerlei Burbing oder andere Schwächen aufgezeigt. Absolut Top.

 

Was den Grip der Reifen unter den oben genannten Bedingungen angeht, gibt es bisher nichts auszusetzen. Sowohl der Vortrieb, der ja in erster Linie vom 2.4“ Trail Boss hinten generiert wird, wie auch beim Bremsen funktioniert die Kombi sehr gut. Egal ob auf Schotter, griffiger Erde, über Wurzeln, oder eben auch mit staubig-losen Auflage – die Kombi aus Vigilante vorne und Trail Boss hinten vermittelt ein sehr hohes Maß an Sicherheit. Spürbar besser als die vorher gefahrene VITTORIA Kombi (Mota vorne und Martello oder Morsa hinten) und damit voll und ganz auf dem Niveau echter Enduro-Reifen. Das Kurvenverhalten ist generell sehr sicher und gutmütig. Der Grenzbereich ist bei beide Reifen sehr hoch angesetzt und setz nicht abrupt ein sondern kündigt sich rechtzeitig an, vorne etwas später als hinten und damit genau so wie man es braucht um angemessen zu reagieren. Selbst wenn man beide Reifen an ihre Grenzen bringt oder sie sogar darüber hinaus belastet, geben sie sich unter den bisher gefahrenen Bedingungen sehr gutmütig und stets sehr gut kontrollierbar.

Das neue TriTec Dreifach-Compound und die robuste Karkasse verhelfen den Reifen außerdem zu einer  guten Dämpfung vorne bedingt durch das High Grip Compound noch deutlicher als hinten, wo ich den Trail Boss ja mit dem Fast Rolling Compound fahre. Es war sofort spürbar, wie das ALUTECH Hardtail grundsätzlich satter und ruhiger über Hindernisse auf dem Trail rollt. Das vermittelt Sicherheit und spornt dazu an bergab noch mehr Gas zu geben und dem Cheaptrick Trail-Hardtail einfach noch mehr abzuverlangen. Seit ich die WTB Kombi fahre, haben mein Mut und meine Geschwindigkeit auf dem Hardtail noch weiter zugenommen. Auf dem Fully, wo ich die Kombi ebenfalls schon gefahren bin ergibt sich das gleiche Bild – durchweg sichere und fähige Reifen mit tollem Grip.

Aber auch auf dem TANTRUM Fully mussten sich die WTB Geschwister beweisen und auch hier gab es bisher keine echten Schwächen zu verzeichnen.

Was den Durchschlagschutz, die Stabilität der Reifen und den optimalen Reifendruck angeht, spürt man – wie es das Gewicht jenseits der 1,1 kg Grenze ja schon angedeutet hat – dass die neuen Reifen mit dem Slash-Guard Flankenschutz auf der robusteren Seite liegen. Selbst bei Drücken um 1,0 bar  1,0 bar in beiden Reifen blieb das Handling auf den 35 mm Felgen noch präzise und gutmütig. Die ab da häufigen Durchschläge haben mir aber doch gezeigt, dass hier eine Grenz des Sinnvollen erreicht ist. Auf alle Fälle können die WTB Reifen eine Menge wegstecken, Platten als Auswirkung der Durchschläge hatte ich bisher nämlich noch keine zu verzeichnen. Trotzdem oder gerade deswegen habe ich anfangs damit gekämpft den optimalen Luftdruck für die Reifen zu finden – zu viel und die Traktion leidet, zu wenig und man riskiert Pannen. Auf dem Hardtail fahre ich hinten mit etwa 1,65 bar, auf dem Fully mit ca. 1,3 bar. Vorne reichen mir in beiden Fällen zwischen 1,2 und 1,3 bar.

Eine einzige Auffälligkeit gibt es beim Handling des 2,5“ Vigilante allerdings doch anzumerken. Mit der 35 mm Felge scheint mir das Profil des 2.5ers doch ein wenig zu sehr abgeflacht, was in Kombination mit den sehr hohen und eng stehenden Seitenstollen gerade im Querungen und Rinnen mitunter ein ein wenig undefiniertes Verhalten provoziert. Statt die schräg anlaufenden Hindernisse zu überrollen – etwas worin Reifen wie der SCHWALBE Magic Mary oder VITTORIA Mota besonders gut sind –  wird der Vigilante mitunter leicht abgedrängt, lenkt dadurch ein wenig ein und braucht so mehr und öfter Richtungskorrekturen durch den Fahrer. In beherzt gefahrene Kurven, egal ob auf griffigem oder losem Untergrund, ist davon so gut wie nichts zu spüren. Der Trail Boss 2.4 am Hinterrad hat zwar ähnlich hohe, eng stehenden Seitenstollen und ein sehr abgeflachtes Profil, aufgrund der anderen Anforderungen als Hinterreifen spürt man davon aber in der Fahrpraxis nichts. Vielleicht werde ich den Trail Boss 2.4“ auch mal vorne montieren um zu sehen, wie er sich dann schlägt.

Während der 2,5″ breite Vigilante auf der breiten Felge gerade in Schrägfahrten ein etwas eigenwilliges Handling an den Tag legte, scheint der 2,6″ nach dem aktuellen Stand keinerlei derartige Eigenheiten zu haben.

Weil WTB für den 2,5″ Vigilante ja eine ja Felgeninnenseite zwischen 25 und 35 mm empfiehlt, ich ihn aber mit einer 35 mm felge fahre, habe ich den Gegenversuch mit dem 2,6“ Vigilante gemacht, der laut WTB ja für Felgen von 35 bis 45 mm  empfohlen wird, und konnte feststellen dass die genannte Eigenheit dann überhaupt nicht mehr vorhanden war.  Demnach würde ich sagen, dass der Vigilante 2,5“ wohl mit der 35-mm Felge bereits am oberen Limit ist, während der 2,6“er damit noch hervorragend und vollkommen unauffällig funktioniert. Den 2,6″ könnte man dasher fast als WT-Version des 2,5″ bezeichnen. Für den weiteren Test habe mich deswegen entschieden den  für meinen Geschmack ausgewogeneren 2,6“ Vigilante vorne zu fahren.

Auch wenn es einen Test nur noch komplizierter macht, bin ich bisher sehr zufrieden mit der Kombination aus unterschiedlichen Reifen an Front und Heck – hier der Vigilante vorne (oben links) und der Trail Boss hinten (oben rechts). Ich fahre gerne hinten einen etwas schnelleren Reifen mit niedrigerem Grenzbereich und genieße die Vorzüge von maximalen Grip und hohen Reserven vorne. Auch hier hat sich dieses ja auch vom Hersteller empfohlenen Konzept bestens bewährt.

Bie den aktuellen Bedingungen hat sich der rail Boss als extrem fraktionsstark erwiesen. Im Uphill geben meine Oberschenkel in der Regel früher auf, als der Hinterreifen.

Bergauf hat der Trail Boss bisher noch nie zu früh aufgegeben und kann doch durch beherztes Bremsen oder eine aktive Fahrweise wunderbar genutzt werden um das Heck aktiv zum Steuern zu nutzen. Sollte es richtig schlammig werden, könnte ich mir gut vorstellen, vorne und hinten Vigilante zu fahren, bzw. wenn es weiterhin so trocken bliebe auch vorne und hinten Trail Boss zu fahren. Mals sehen, was die Testbedingungen der kommenden Wochen so hergeben.

Ich persönlich mag die Kombination aus aggressiverem Vorderreifen und etwas schnellerem Hinterreifen, die sich auch hier bisher sehr gut bewährt hat.

Zusammenfassung: Wie gesagt, handelt es sich bei der bisherigen Bewertung allein um die Erfahrungen auf meinen heimischen Trails und unter außergewöhnlich trockenen Bedingungen. Ich hoffe diese Eindrücke in den kommenden Wochen noch weiter ergänzen zu können. Zum aktuellen Zeitpunkt ist die Kombination aus Vigilante vorne (egal ob 2,5“ oder 2,6“) und Trail Boss 2,4“ hinten eine sehr potente Kombi mit hoher Traktion, viel Sicherheit und einer guten Dämpfung. Die gewohnt guten Tubeless-Eigenschaften der WTB TCS Reifen sind ein weiterer Bonus. Die auch in der Light-Version noch recht robuste Karkasse  sorgt für eine sehr hohe Stabilität der reifen bei niedrigen Drücken und eine hohe Pannensicherheit, aber auch ein recht hohes Gewicht.  Zusammen mit dem in den großen breiten spürbar hohen Rollwiderstand eigenen sich die Kombi für meinen Geschmack zwar nur noch bedingt als Trail- oder Tourenreifen, passt aber sehr gut in den Enduro-Bereich, was ja keineswegs schlecht sein muss.

RIDE ON,
c_g