PROPAIN Hugene – Kurztest vom BIKE Festival’18 aus Riva: von c_g 

Na, wem ist es schon aufgefallen, dass noch ein Kurztest vom BIKE Festival’18 in Riva aussteht? Richtig, noch habe ich nichts zum brandneuen und erst während der Messe offiziell vorgestellten PROPAIN Hugene gesagt. Doch das holen wir jetzt nach, denn das Hugene ist ganz sicher eines der Bikes, die man nicht unbeachtet lassen darf.

Das PROPAIN Hugene ist das erste 29er der Marke und ein bereits optisch wirklich gelungenes Trailbike.

Wie schon beim Vorstellungs-Post Ende April geschrieben, handelt es sich beim Hugene ja um das erste 29er des Herstellers aus der Bodenseeregion, die neben ihrem hervorragenden PRO10 Kinematik vor allem für ihr stets sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis bekannt und beliebt sind. Daran soll sich auch beim Hugene nichts ändern. Aber warum hat es so lange gedauert, bis PROPAIN ihren ersten 29er gebaut haben, während die Big-Wheeler bei anderen Herstellern bereits ihr erstes Revival erleben?

Ehe wir ein Bike in Serie bringen, müssen wir selber restlos davon überzeugt sein. Wir haben im Hintergrund lange und viel mit 29ern experimentiert, sind viele Bigwheeler gefahren, aber irgendwie haben sie uns nie so richtig überzeugt. Erst als wir die Geometrie so weiterentwickelt hatten, wie sie jetzt beim Hugene zu finden ist, hat es ‚klick’ gemacht und wir wussten, dass wir mit dem Hugene ein richtig tolles Trailbike geschaffen haben.“erzählte Tobias Söltl von PROPAIN mir in Riva.

Geometrietabelle des PROPAIN Hugene mit einer 140 mm Gabel (zum Vergrößern einfach anklicken).

Wenn man sich die Geometriewerte des Bikes anschaut, präsentiert es sich ganz klar als Trailbike. Der 67,5° Lenkwinkel, der moderne effektive Sitzwinkel von 75,5° und der moderat gestreckte Rahmen mit einem effektiven Oberrohr von 626 mm bzw. einem  Reach von 460 mm (in L), liegen genau in dem Bereich, den man für ein modernes Trailbike mit 130 mm Federweg erwarten würde.

Das Hugene hat mit 445 mm Kettenstrebenlänge einen relativ langen Hinterbau. IN der Fahrpraxis stört das aber überhaupt nicht.

Die effektive Kettenstrebenlänge mit 445 mm entspricht zwar nicht ganz dem Trend das Heck eher kürzer werden zu lassen, aber meinen Erfahrungen nach wird dieser Wert oft voreilig mit einer Laufruhe und Trägheit gleichgesetzt, ohne das Bike selbst je gefahren zu haben. Andersherum verhelfen schon ein paar Millimeter mehr am Heck oft zu spürbar gelassenerem Kletterverhalten, während der Mehraufwand um das Bike in Manuals zu ziehen kaum zu spüren ist … sofern die Fahrer das überhaupt regelmäßig machen. Das ist aber nur meine Meinung.

Schaut man sich dagegen die drei Ausstattungsvarianten des Hugene an, fällt einem sofort auf, dass die zum Teil nicht mehr ganz in der gewohnten Trailbike-Liga passen und schon deutlich in Richtung Enduro tendieren. So hat der Kunde je nach Version („Highend“, „Bestseller“ und „Start“) die Wahl zwischen einer FOX 36, ROCK SHOX Pike und einer FORMULA Selva an der Front, wobei es die Pike nur in 140 mm gibt, man bei der FOX und FORMULA aber zwischen140 und 150 mm Federweg vorne wählen kann. Mit der längeren Gabel kommt natürlich das Tretlager ein wenig höher und die Winkel werden um ca. 0,5° flacher. Zu jeder Version gibt es einen nicht weniger potenten  Dämpfer von ROCK SHOX oder FOX, dazu bewährt standfeste Bremsen und stabile Laufräder mit satter Maulweite (28 bzw. 29 mm). Auch die Wahl der Reifen, vorne ein SCHWALBE Magic Mary und hinten der neue Hans Dampf deuten darauf hin, dass das Hugene mit einer gröberen Gnagart liebäuglet, als man gemeinhin von einem Trailbike erwartet.


Besonderes Lob verdient PROPAIN für das ausgezeichnete Preis/Leistungsverhältnis bei allen drei Modellen, die allesamt mit dem gleichen Vollcarbon-Rahmen kommen. Bereits das Starter Modell für gerade mal 3099.- Euro bietet eine funktionelle und  weitestgehend stimmige Ausstattung- Lediglich eine Dropper-Stütze würde ich hier als notwendiges Upgrade empfehlen. Das hier gefahrene Topmodell hat zwar einen VK von stattlichen 6399.- Euro, dafür bekommt man aber auch eine Kombination aus edelsten Komponenten (SRAM XX1 Eagle und FOX Factory Federelementen) sowie richtig schicke REYNOLDS Carbon-Laufräder. Da bleibt nur wenig Raum für nachträgliches, funktionales Tuning.
Traditionelle Tourenfahrer mögen vielleicht bedauern, dass das Hugene nur für 1-fach Antriebe ausgelegt ist (die High-Direct-Mount Befestigung ist allein für die Kettenführung), aber die meisten Fahrer, dürfte das angesichts der bei jedem Bike verbauten 1×12 Eagle Gruppe nicht wirklich stören. Im schlimmsten Fall muss man halt ein kleineres Kettenblatt montieren (an dem Testbike war ein sportliches 32er Blatt montiert).
Das HUGENE wird schon bald (geplant ist ab Mitte Juni) in der hier gezeigten Farbe “Lime“, aber auch in den etwas dezenteren Varianten “Silver” und “Carbon Rawim Onlineshop von PROPAIN bestellbar sein. Die ersten Bikes sollen dann ab Juli ausgeliefert werden.

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Praxiseindrücke

Für meinen Kurztest hat PROPAIN mir ein Hugene inder für mich optimal passenden Rahmengröße L in der edlen Highend Ausstattung gegeben.

Auf halber Strecke die Briten Straße hoch wusste ich, dass man mit dem Bike auch bergauf richtig Gas geben kann.

Die einzigen Abweichen von der ohnehin in Details konfigurierbaren Serienausstattung waren die BIKEYOKE Revive Dropper-Stütze (in Serie eine FOX Transfer Factory), eine etwas schwerere GX Eagle Kassette sowie ein SCHWALBE Magic Mary Addix Soft Reifen am Hinterrad. (Der neue Hans Dampf war zu dem Zeitpunkt noch nicht verfügbar.) An der Front war eine FOX Float 36 mit der ebenfalls neuen GRIP2 Dämpfung und 150 mm Federweg montiert. Leider habe ich vergessen das Bike zu wiegen, aber nach Rückfrage bei PROPAIN soll das derart ausgestattete Bike es auf sehr gute 13,2 kg bringen.

Wie ja schon mehrfach hier aufgeführt, empfinde ich persönlich das Design des Hugene als äußerst gelungen. Seine abgerundeten Formen, die im Hauptrahmen liegende und damit trotz aller Komplexität, optisch bemerkenswert unauffällige Kinematik und die sehr niedrige Überstandshöhe … alles zusammen wirkt wirklich dynamisch und zugleich gefällig. Das grelle Gelbgrün ist mir persönlich etwas zu knallig, auch wenn es sich sehr schön fotografiert, aber dafür stehen es ja noch zwei dezentere Farbvarianten zur Auswahl.

Auch im Schatten macht das grellgrüne Bike eine gute Figur – kein Wunder mit dem Hintergrund.

Einmal eingestellt, fiel mir sofort auf wie sehr mich das Hugene trotzt seines größeren Federwegs an das YETI SB 4.5 erinnert, das ich ja erst vor kurzem im ausführlichen TNI-Test hatte. Und wie ihr als regelmäßige Leser wisst, ist das ein gewaltiges Lob, denn unter den Trailbikes gehört das SB.45 für mich zu einem der absolut besten seiner Klasse. Die Sitzposition ist wunderbar zentral und ich habe mich von der ersten Pedalumdrehung wunderbar wohl auf dem Bike gefühlt. Die für einen Rahmen in Large moderat moderne Oberrohrlänge hat mir sofort gut gepasst und bot mir genau das Maß an Effizienz und Vortrieb, wie ich es von einem vielseitigen Trailbike erwarten würde. Dementsprechend flott und mühelos ging es sich auch bei der Auffahrt über die Brione Straße hinauf, in der sich sehr schnell zeigt, wie wippneutral und effizient ein vollgefedertes Bike ist. Mit 130 mm Federweg und dem eingestellten SAG von ca. 30 % blieb das Heck schön ruhig und ich musste schon absichtlich unrund treten um hier auch nur ein leichtes Wippen zu provozieren. Lediglich im Wiegetritt war es für meinen Geschmack sinnvoll die zuschaltbare Plattformdämpfung des tief liegenden FOX DPX2 Dämpfers einzulegen. In meinem Fall musste ich dafür recht weit nach unten reichen, aber am Serienbike wird es dazu einen Lenker-Remote geben. Wie oben bereits vermutet, trägt der tendenziell lange Hinterbau zusammen mit dem steilen Sitzwinkel maßgeblich dazu bei, dass das Bike so souverän und ohne große Gewichtsverlagerung auch steile Anstiege erklettert.

 

Mit der FOX 36 Federgabel und 150 mm sowie den aggressiven Reifen ist das Hugene ein langhubiges Trailbike mit richtig Reserven wenn mal gröber wird.

Ganz oben, in dem letzen Steilstück zur Aussichtsplattform mit seinen Felsstufen ist mir dann aber doch aufgefallen, dass das Heck für meinen Geschmack etwas zu tief in den Federweg eintaucht – eine Frage der Progression, die sich mit einem oder zwei Spacern in der Luftkammer sehr leicht beheben lässt. Wieder zurück am PROPAIN Stand darauf angesprochen, bestätigte man mir, dass man genau das aktuell diskutieren würde und dass der an meinem Bike verbaute Dämpfer eben noch keine Spacer in der Luftkammer gehabt hatte. Mittlerweile hat PROPAIN uns bestätigt, dass das Hugene in Serie mit einem zusätzlichen Spacer in der Luftkammer ausgeliefert werden wird, womit dieser kleine Kritikpunkt für mich auc schon behoben worden ist. Ansonsten bot das Hugene mir im Uphill genau die Performance und Effizienz, die ich mir von der Geometrie erhofft hatte. Ein echtes Trailbike, bereit für sportlich dynamische Trailrunden genauso wie lange Touren und alpine Ausfahrten jeder Fasson.

   

Doch wie würde die Kombi aus Trailbike Geometrie und doch üppigen Federwegs sich in den zum Teil sehr steilen Felspassagen machen? Passen die aus dem eher moderaten Lenkwinkel resultierende Agilität und die 150 mm Federweg vorne auch wirklich zusammen? Wie sich in dem recht kurzen, aber sehr vielseitigen und mitunter auch fordernden Trail hinunter gezeigt hat, tun sie das. Das Hugene wird deswegen noch nicht zum Race-Enduro, aber dort wo man aufgrund der Geo merkt, dass man sich dem Grenzbereich annähert, gibt einem die sehr sensible und potente Federung die Reserven, die man braucht um das Bike noch ein wenig mehr laufen zu lassen, oder eben die Gutmütigkeit um es noch entspannt wieder „einzufangen“. Auch in den ruppigeren Passagen konnte ich keine echten Schwachstellen am Hugene erkennen, weder in der Federung, noch in der Rahmensteifigkeit oder der Funktion seiner Ausstattung. Alles hat während der Testrunde genau so funktioniert, wie es sein sollte. Nur in den Drops im unteren Teil ist mir erneut aufgefallen, dass ich mir hier ein wenig mehr Gegendruck, bzw. Progression im Heck gewünscht hätte, aber wie oben gesagt, ist das ja mittlerweile bereits behoben. Trotz langem Heck fand ich es recht leicht das Rad zu einem langsam gefahrenen Drop auf dem Hinterrad zu halten oder in den Manual zu ziehen.

In den ruppigen und steilen Passagen am Ende der Abfahrt wurde deutlich was das PROPAN Hugene so alles kann.

Am Ende der nur kurzen, aber sehr wohl aussagekräftigen Testrunde bleibt ein durchweg positiver Eindruck von dem brandneuen PROPAIN Hugene. Bis auf die bereits behobenen Thematik mit der Dämpferprogression, konnte ich an dem Bike nichts feststellen, was mir nicht gefallen hätte. Das Handling des Hugene ist für ein langhubiges Trailbike sehr gelungen und vermittelt in nahezu jedem Gelände ein sicheres und verspieltes Fahrverhalten das auf tchnischenTrails genauso Spaß machen sollte, wie in gemäßigterer Umegbung oder eben auch auf der feierabendlichen Trainingsrunde. Als 29er Erstlingswerk wirklich klasse!
Wir freuen uns bereits darauf, das Bike einmal zu einem echten TNI-Test einzuladen und in allen seinen Details zu besprechen.

RIDE ON,
c_g