VOTEC VX Pro – Testfortführung & Update: von MiMü

Wie ihr in den Ersten Eindrücken (von c_g) zum VOTEC VX Pro gelesen habt, haben wir uns zu einem Testertausch entschieden, weil die Sitzposition des VX in der Rahmengröße L für c_g schlichtweg zu kompakt gewesen war um das Bike in aller Tiefe zu beurteilen. Mit meinen 1,75 m Körpergröße bei einer Schrittlänge von 86 cm darf ich den Test des 140 mm Allmountain-29ers nun fortführen.

Das VOTEC VX setzt seinen test unter MiMü fort und macht sich dort sehr gut.

Ein Vergleich der Geometrie-Daten des VOTEC mit denen meines letzten Testbike, dem DRÖSSIGER Mo’Flow zeigt wie kompakt das VX Pro tatsächlich geschnitten ist. Beinahe alle Maße, von der effektiven Oberrohrlänge (616 mm beim VOTEC, 610 mm beim DRÖSSIGER) über den Reach (446 mm VOTEC / 440 mm DRÖSSIGER) und Stack (628 mm VOTEC / 635 mm DRÖSSIGER) sind sich sehr ähnlich …. nur, dass das DRÖSSIGER ein Medium war, und das VOTEC ein Large ist!

Bei fast gleichen Geometriewerten wie dem vorherigen Testbike, ist das VX durch die niedrige Front deutlich vortriebsstärker.

Im Sattel gab es dann aber sofort spürbare Unterschiede. Durch das kurze Steuerrohr (110 mm) und den Flat Bar Lenker nimmt man auf dem VX eine recht vortriebsorientierte, fast schon frontlastige Haltung ein. Trotz seiner 13,84 kg lässt sich das VX Pro allein deswegen schon viel williger beschleunigen und wirkt insgesamt spürbar quirliger. Der bereits erwähnte Lenkwinkel von 67,8° in Kombination mit einem nur 45 mm langen Vorbau sorgt für ein direktes Lenkverhalten ohne zu sehr auf Kosten der Laufruhe zu gehen.

Das VX ist weniger eine Bike zum rücksichtslosen “Bergab-Heizen”, sondern mehr ein ausgewogener Allrounder mit Federwegsreserven.

Generell ist das VX trotz seines üppigen Federwegs weniger ein Bike zum „Drüberbügeln“. Es bevorzugt dagegen eher eine präzise Lininewahl und defensive Fahrweise. Mit einer ruhigen Hand und guten Fahrtechnik kann man dem VX Pro aber auch in technischem Gelände richtig die Sporen geben. Schon beim ersten Aufsitzen wird klar, dass das VOTEC VX ein ausgewogen-agiles Trail-Bike sein will, dessen Betonung vor allem auf seinen Allroundeigenschaften liegt.

Fürs Erste bin auch ich das VX Pro in der mittleren Neutralstellung des Flip-Chips gefahren.

Der mit 75° steile Sitzwinkel sorgt bergauf dafür, dass das Bike selbst steile Anstiege sehr ruhig nimmt und mit minmaler Schwerpunktverlagerung auskommt. Im technischen Uphill generiert der Viergelenker-Hinterbau viel Traktion, spricht sensibel an ohne dabei zu tief in seinen Federweg einzusinken und funktioneirt ganz pauschal ertklassig. In 95% der Fälle bleibt das Heck auch mit offenem Dämpfer angenehm ruhig und wippfrei. Lediglich in längeren Wiegetrittpassagen habe ich die Plattformdämpfung hin und wieder genutzt.

In manchen Situationen ist mir die recht große Überstandshöhe von immerhin 773 mm für einen so kompakten Rahmen aufgefallen. Ein Blick auf die Geometrietabelle verrät, dass dieser Wert sich durch alle Rahmengrößen hin durchzieht. Gerade Fahrer der Größen Small und Medium sollten dies unbedingt bedenken.

Der hochwertig gefertigte Alu-Rahmen an sich überzeugt mit hoher Steifigkeit, direkter und präziser Lenkung und kaum Verwindung im Antritt. An den schon von c_g nachgezogenen Drehpunkten des Hinterbaus war im bisherigen Testverlauf keine neuerliche Lockerung festzustellen. Die bereits im Intro erwähnten Rahmenfeatures wie aufgelaserte Drehmomentangaben, die Ersatzschraube fürs Schaltauge oder das Sichtfenster im Sitzrohr zeugen von hoher Detailverliebtheit. So etwas gefällt uns Testern!

Von Seiten der Federungselemente gibt es bis jetzt fast nur Positives zu berichten. Die ROCK SHOX Pike RCT3 an der Front und der Super Deluxe RC3 Dämpfer gefielen mir durch ihre gewohnt leichte Abstimmung und ihr gutes Federungsverhalten.

Die Federelemente sind zwar nicht die jüngst Generation, geben sich aber dennoch als sehr fähig.

Bei der Pike handelt es sich noch um das 2017er Modell ohne DebonAir-Technologie. Die gegenüber dem aktuellen 2018er Modell nicht ganz so hohe Sensibilität und den etwas geringeren Mid-Stroke-Support spürt man, ich empfand sie aber nie als störend, zumal sie sich durch die einstellbare Low-Speed-Druckstufe und nachrüstbare Tokens sehr einfach an das Fahrer und das Gelände anpassen lassen. Der ROCK SHOX Super Deluxe RC3 Trunnion-Dämpfer bietet ein sehr gutes Ansprechverhalten und eine Top-Performance. Besonders angenehm fand ich die Bedienung der Zugstufe die dank großem, gummierten Einstellrad sehr leicht funktioniert. Leicht zu erreichen ist auch der 3-stufige Lockout-Hebel, der am Piggyback angebracht ist. Und auch das dritte Produkt aus dem Hause ROCK SHOX, die Reverb Stealth mit 150mm Absenkung, machte seit Testbeginn genau das, was sie am besten kann: zuverlässig auf Knopfdruck auf- und abfahren, ohne seitliches Spiel oder schmutzbedingte Schleifspuren.

Der Mix aus diversen SRAM Eagle Bauteilen ergibt einen sehr durchdachten und funktionellen Antrieb.

Der SRAM 1×12 Eagle Schaltungsmix gefiel einmal mehr durch gewohnt hohe Schaltperformance. Selbst unter Volllast rasten die Gänge sauber und präzise ein, die Kombination aus kleinem 30er Kettenblatt und 50er Ritzel macht auch längere, steile Anstiege zur leichten Kost. Wer über kräftigere Waden verfügt oder bergab gerne ordentlich mittreten möchte, sollte allerdings auf ein 32 oder gar 34 Zähne messendes Kettenblatt umrüsten. Meine einzige Kritik im Schaltungsbereich betrifft das BSA-Tretlager, das bei mir schon früh Kilometern stark zur knarzen begonnen hat. Nach erfolgter Demontage, Reinigung und mit einer ordentlichen Packung Fett versehen waren die nervenden Geräusche eliminiert und das Lager lief wieder rund.

Auch mit nur 24 Speichen, gab es bisher keine Beanstandungen an den FSA Wide R Laufrädern.

Beim FSA Afterburner Wide R Laufradsatz konnte ich keine Defizite feststellen. Seine 24 Speichen lassen ihn optisch luftig erscheinen, seine Steifigkeit gab bisher aber selbst auf schnell gefahrenen Steintreppen keinen Grund zur Kritik. Lobend zu erwähnen sind die bereits werksseitig verbauten Torque Caps am Vorderrad, die hier für eine noch größere Steifigkeit sorgen. Dank guten 27 mm Innenbreite kommen die beiden SCHWALBE Pneus damit recht voluminös daher, liefern somit ordentlich Traktion und Komfort.
Gerade auf dem hartgefrorenen, mit Längsrillen durchsetzten Boden gehört der SCHWALBE Fat Albert Front nicht unbedingt zu meinen Favoriten, aber unter allen anderern Bedingungen ist di Kombination aus Fat Albert vorne und Nobby Nic am Heck einen sehr vielseitige Kombination, die stets genügend Traktion und Führung in den Kurven bietet. Indem der Fat Albert mit seinem ausgeprägten Längsprofil mehr Kurvengrip bereitstellt als der Nobby Nic bleibt der Grenzbereich gut kontrollierbar. Für den Einsatz bei traillastigen Allmountain-Touren ist diese Reifenkombination für mich absolut stimmig.

  

Die MAGURA MT5 Bremsanlage mit großen Rotoren (vorne 203 mm & hinten 180 mm) war bisher immer ein Muster an Zuverlässigkeit und bot mir stets genügend Kraftreserven. Einziger Kritikpunkt, sie fängt bei nassen Bedingungen gerne zum Quietschen an. Sehr gut gefallen hat mir die Ergonomie des 1-Finger-optimierten HC-Bremshebels der satte 12mm kürzer ist als der Standard 2-Finger-Hebel.

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Zwischenstand: 

VOTEC hat mit dem VX All-Mountain ein interessantes Bike auf die Beine gestellt. Statt „long, low and slack“ ist es eher klassisch kompakt und stellt so ein wenig eine Besonderheit unter den modernen 140 mm Fullies dar. Gerade Fahrer, die mit den langen progressiven Geometrien wenig anfangen können, finden hier eine interessante Alternative. Ich kann gut verstehen, warum der Large Rahmen für c_g einfach zu kompakt war – mir allerdings passt er nahezu ideal. Was die Fahrperformance und Ausstattung angeht, gibt sich das VOTEC VX jedenfalls keine Blöße. Das Fahrwerk mit 140/135 mm Federweg arbeitet sehr sensibel und ergibt zusammen mit dem agilen Handling ein sehr gutes Touren- und Trailbike mit hervorragenden Uphill-Eigenschaften. Die Ausstattung ist von A bis Z sehr durchdacht und funktioniert mustergültig. Mal sehen, was der weitere Testverlauf noch so offenbaren wird.

MiMü