CUBE Stereo 150 C:68 TM – Erste Praxiseindrücke: von c_g

Während wir euch das brandneue Stereo 150 von CUBE erst vor ein paar Tagen in allen Details vorgestellt habe, hatte ich das Privileg, die Trail Motion Version des Vollcarbon-Fullies bereits seit dem BIKE Festival in Riva zu fahren.

Gerade erst ist, das CUBE Stereo 150 als das neue Arbeitsgerät des CUBE Action Teams in der EWS vorgestellt worden, da haben wir schonen Bike im Test.

Auf die verbauten Technologien, die Carbonkonstruktion des C:68 Rahmens und die allgemeine Ausstattung des Bikes brauche ich ja nicht weiter einzugehen – das ist ja bereits ausführlich in der Vorstellung der Bikes geschehen. Daher will ich mich hier in erster Linie darauf konzentrieren, wie ich das Stereo 150 C:68 TM seither mit dem Bike in der Praxis und auf dem Trail erlebt habe. Wie also fährt sich ein 29er, der nach eigenen Aussagen speziell für die Anforderungen des CUBE Action Teams mit dem expliziten Einsatzbereich Enduro-Rennsport entwickelt wurde.

 

Das erste Indiz für die Enduro-Ambitionen der TM Version zeigt sich schon bei der Fahrwerkseinstellung, die so manchen Normalobiker schnell überfordern würde. Nebne den üblichen Einstellmöglichkeiten wie Luftdruck, (Low-Speed) Zug- und Druckstufe, die sich noch recht leicht einstellen lassen, besitzen beide Federelemente des Stereo 150 TM, vorne die brandneue 2019er Float 36 Factory EVOL GRIP2 und hinten einüberarbeiteter Float X2 Factory Dämpfer, nämlich zusätzlich noch eine getrennt einstellbare Zug- und Druckstufe für den High-Speed-Bereich, die sich erst auf dem Trail wirklich sinnvoll einstellen lassen. Um die Zeit nicht mit zusätzlichen Setup-Fahrten zu vergeuden, habe ich mich für meine ersten Runden in Riva zuerst auf die Vorgaben von Seiten der CUBE Entwicklers Michael Prell verlassen, die sich als sehr gutes Basis-Setup erwiesen haben. Letztlich wollte ich mich in meinen ersten Eindrücken in erster Linie auf das Handling des Bikes konzentrieren und mich nicht von einem ungewohnten Setup ablenken lassen.

Derart eingestellt hab eich zuerst eine kurze Trailrunde oberhalb des Bussate Parks unternommen. Bereits beim ersten steileren Straßenanstieg ist mir aufgefallen, dass der neue Stereo 150 Rahmen deutlich steifer ausfällt, als sein Vorgänger. Gerade große und aggressive Fahrer wird das freuen, die nun von einem noch präziseren Handling profitieren.
Das nächste, was sich bei dieser Auffahrt gezeigt hat, ist wie unglaublich sensibel das Heck mit dem X2 Dämpfer ist. Schon einem leicht unrunden Tritt quittiert das Heck durch leichtes Fahrwerkswippen– der FOX X2 ist und bleibt einfach ein Dämpfer, der gravity-orientiert ist.

  

Glücklichweise verfügt er über einen gut erreichbaren Hebel mit dem sich die Low-Speed-Druckstufe deutlich erhöhen lässt. Damit lässt sich das Fahrwerk im Nu für lange Anstiege beruhigen. Für alle, die den X2 Dämpfer noch nicht kennen, selbst mit komplett umgelegtem Hebel bleibt das Heck zwar wippneutral aber dennoch aktiv – von einem Lockout ist man damit meilenweit entfernt. Die am Stereo 150 Race und SL verbauten Dämpfer-Optionen dürften das Heck mit Sicherheit deutlich stärker straffen. Jedenfalls war es mit der zusätzlichen Wippunterdrückung überhaupt kein Thema auch die steilsten Anstiege gelassen hoch zu treten. Offensichtlich reichen der geringfügig längere Hauptrahmen und der steilere, effektive Sitzwinkel offensichtlich vollkommen aus, um das Kletterverhalten auch mit dem kompakteren Heck auf sehr hohem Niveau zu halten. Mit einem leicht werdenden Vorderrad hatte ich jedenfalls nie zu kämpfen.

Das neutral-verspielte Handling und die potente Federung ergeben eine sehr leckere Mischung, die nicht nur auf schweren Felsentrails Spaß macht.

Auf der ersten, kurzen Trailabfahrt mit einzelnen technischen Passagen, verblockte Spitzkehren, enge Kehren und kleineren Drops hat mich das Stereo 150 dann mit seinem unerwartet agil-verspielten Handling überrascht. Das Bike lädt, trotz aller Laufruhe noch dazu ein mit dem Trail zu spielen und sich immer neue Lines auszusuchen. Das hatte ich so von dem auf Enduro-Race ausgelegten Bike nicht erwartet. Bemerkenswert daran war, dass ich mich mit dem Stereo trotzdem nie an Kontrolle oder subjektiver Sicherheit gemangelt hätte und ich schon auf der allerersten kurzen, Runde so manche Passage mit ordentlich Speed durchfahren habe. Rückblickend würde ich sagen, dass das neue CUBE Stereo 150 in seinem Handling für mich keinerlei Eingewöhnungszeit erforderte und ich mich vom ersten Meter auf dem Trail sofort pudelwohl darauf gefühlt habe.

Am Start zur Abfahrt den Skull Trail hinunter …

Dieser Eindruck hat sich auf der zweiten Runde den Skull-Trail hinunter noch weiter verstärkt. Während es für mich das erste Mal war, diesen Trail zu befahren, ist mir immer wieder aufgefallen wie unglaublich leichtfüßig und zugleich sicher sich das Stereo fährt. Während der gesamten Abfahrt habe ich mich auf dem Stereo immer sehr wohl gefühlt. Selbst in den steileren, verblockten Passagen generiert das Bike sehr viel Sicherheit bietet eine gesunde Portion Laufruhe in den schnelleren Passagen und zeigt doch zugleich eine Verspieltheit, wie ich sie sonst eher von Trailbikes kenne. Dieses unglaublich ausgewogene Handling – nie zu agil und nie zu laufruhig – wird durch die hervorragenden FOX Federelemente und die robuste Ausstattung nur noch weiter gesteigert. Selbst ohne eine weitere Feinabstimmung (die erfolgte dann später auf meinen heimischen Trails) waren die 36er mit GRIP2 Dämpfung und der X2 Dämpfer immer Herr der Lage, mit viel Komfort, maximaler Traktion und doch ordentlichem Feedback. Insbesondere in den zum Teil kniffligen verblockten Steilstücken hat mir die dann hoch im Federweg stehende Gabel dabei geholfen mich noch sicherer zu fühlen.

Wer den Trail kennt, weiß wie dort gerade bei höherer Geschwindigkeit immer wieder knifflige Felsrippen und –kanten aufragen und nur zu gerne dem Reifen die Luft ablassen würden. Bei dieser Abfahrt war ich jedenfalls wirklich froh um die bei der TM-Version spezifiziertenSCHWALBE Super Gravity Reifen. Ohne ihre Seitenwandverstärkung zum Pannenschutz, hätte es sicher den einen oder anderen Platten gegeben. Auch die SRAM Code R Bremsen mit 200er Scheibe vorne und 180er hinten, die NEWMEN Laufräder mit 30 mm Innenweite und die übrigen Komponenten haben mir nie Anlass zur Kritik gegeben.  Bei meiner Größe hätte ich mir mitunter etwas mehr Hub als die vorhandenen 150 mm bei der Dropper-Stütze gewünscht. Weil sich die FOX Transfer Stütze aber problemlos bis ganz zum Anschlag ins Sattelrohr einschieben lässt, habe ich mehr als genug Spielraum für jede Fahrsituation.

Soweit zu den ziemlich Downhill-lastigen Fahreindrücken von den felsigen Lago-Trails. Weil ich das Bike auch gleich mit nach Hause nehmen durfte, bin ich das Bike seither auch viel auf meinen gewohnten Hometrails gefahren. Während diese wurzeligen Waldtrails mit schnellem Wechsel aus Anstiegen und Abfahrten doch recht unterschiedlich zu den Lago-Trails sind, ist mein Eindruck weitgehend der gleiche geblieben.

 

Das Stereo 150 schafft auch hier wunderbar den Spagat aus Vielseitigkeit und Fahrsicherheit ohne irgendwo Defizite zu offenbaren. Das Enduro-Bike fühlt sich weder auf den XC-artigen Trails zu gelangweilt an – obwohl die Serienausstattung der Trail Motion Version natürlich deutlich zu potent für einen solchen Einsatz ist – noch wirkt es bisher auf den technischeren oder sprunglastigeren Trails je überfordert.  Auf meinen gewohnten Trails ist das CUBE Stereo 150 C:68 TM schlichtweg eine Wucht.

Auch wenn die Ausstattung und Federung eines Endhors mehr als würdig ist, behält sich das Stereo 150 eine gehörige Portion Vielseitigkeit.

Zwischenstand: Noch ist es zu früh für ein umfassenderes Fazit, was ich allerdings bereits jetzt sagen kann, ist dass das neue CUBE Stereo 150, auch wenn es vom CUBE Action Team in der EWS gefahren wird, ein deutlich verspielteres und damit vielseitigeres Handling besitzt, als man einem Enduro-Racebike zutrauen würde … und das macht mir richtig Spaß. Im nächsten Testabschnitt möchte ich das CUBE Stereo noch etwas weiter fordern und mal einen Ausflug in einen Bikepark damit unternehmen und auch auf seine Allroundeigenschaften untersuchen. Bis dahin.

RIDE ON,
c_g