MAXXIS Forekaster EXO TR Reifen ­– Zwischenstand: von MiMü

Lockere 15.000 Tiefenmeter und gute 8.0000 Höhenmeter hat der kürzlich vorgestellte MAXXIS Forekaster bereits hinters ich, vieles davon während eines mehrtägigen Vinschgau-Trips. Zeit genug um sein Potential auf unterschiedlichsten Trails unter Beweis zu stellen. Wie es mir dabei mit den beiden Forekaster-Varianten ergangen ist, erfahrt ihr jetzt hier.

  

Den Anwendungsbereich des Forekaster definiert MAXXIS ja bekanntlich sehr breit. Von „loose over hard“, „medium“, „loose“ bis hin zu „wet“ soll der Pneu glänzen und nur in den Extremen, also wirklich trockenes „hard pack“ und „mud“ Schwächen zeigen. Als weitere Qualitäten nennt MAXXIS einen hohen Kurvengrip bei gleichzeitig geringem Rollwiderstand … alle in allem ein Reifen wie für mich gemacht, so scheint es.

Der neue MAXXIS Forekaster mit seinem sehr breiten Anwendungsbereich durfte sich zuerst auf trockenen und ist Losen Trails des Vinschgaus bewähren.

Das vergleichsweise offen gestaltete Profil des Forekaster stimmte mich zu Testbeginn etwas nachdenklich. „Würde mir das gemäßigte Stollendesign auf den fordernden und auffallend trockenen südtiroler Trails genug Grip und Traktion zur Verfügung stellen können?“ Aber wie heißt es so schön: Don’t judge a book by its cover! Denn der MAXXIS Forekaster ist ein richtig potenter Trail-Reifen, der mit unglaublich vielen Bodenbeschaffenheiten sehr gut klar kommt.

Mal, felsig, mal Stabil und lose, war das kein leichtes Terrain für den Reifen – doch der hat sich mustergültig geschlagen.

Rolleigenschaften: Bevor es in den Downhillspaß geht, heißt es aber meistens einmal ordentlich in die Pedale treten und Höhenmeter sammeln. Dabei gefiel mir der Forekaster auf Anhieb dabei durch einen angenehm niedrigen Rollwiderstand, und seine leichte, direlte Beschelunigung. Sein moderates Reifengewicht von 729 g (2,35“) bzw. 698 g (2,20“) kommt gerade bei tubeless-Montage voll zur Geltung, Wiegetritt-Passagen oder gelegentliche Tempoverschärfungen machen mit dem Forekaster beinahe so viel Spaß wie mit einem klassischen CC-Reifen. Trotz der weit auseinander stehenden Stollen fällt sein Abrollverhalten bemerkenswert sanft und vibrationsfrei aus, die vergleichsweise niedrigen Profilblöcke dürften hier für leichtes Dahinrollen sorgen. Wechselt der Untergrund auf losen Schotter oder weichen, wurzeldurchsetzten Waldboden, gefiel der Forekaster mir durch seinen satte Vortrieb mit sehr guter Selbstreinigung. Das quergestellte Mittelprofil und die lamellenartigen Einschnitte in den Stollen sorgt für eine ordentliche Verzahnung mit dem Boden.

Kippt der Trail dann gen Tal, dann offenbart der Forekaster seine andere Seite. Auf weichen, wurzeligen Erdtrails etwa baut er trotz der geringen Profiltiefe auffallend viel Grip auf, kommt dabei erst sehr spät ins Rutschen. Wirklich positiv überrascht hat mich dabei die am Hinterrad montierte schmälere 2,20“ Version, die gerade bei Brems- und Antriebstraktion ihrem breiteren 2,35“ Bruder um nichts nachsteht. Beide Reifen konnten in solchen Bedingungen mit jederzeit ausreichend Traktion überzeugen.

Lediglich beim Kurvenhalt und in der Komfortwertung sind leichte Unterschiede der beiden Reifengrößen erkennbar. In Schrägfahrt machen sich die weiter über den Karkassenrand stehenden Seitenstollen des 2,35“ Reifens durch satteren Halt und eine stabilere, vertrauensförderndere Verzahnung bemerkbar, die schmälere Forekaster-Variante ist in diesem Punkt auf meiner 28,7 mm breiten Felge durch ihre über das Seitenprofil ragende Seitenwand spürbar benachteiligt. Sie verliert früher den Halt und neigt dann zum Wegrutschen. Gott sei Dank erfolgt das beim Forekaster nie plötzlich und unerwartet, soindern immer sehr kontrolliert.

Der MAXXIS Forekaster erfüllt bisher alle Anforderungen an einen guten Tourenreifen.

Beiden Breiten gemein ist hingegen ein homogenes Einlenkverhalten, der Übergang vom Mittel- zum Seitenprofil ist fließend und beim Fahren kaum spürbar. Der gleichmäßige Stollenabstand und die beinahe idente Stollenhöhe macht sich hier positiv bemerkbar.

Beim Thema Fahrkomfort fiel mir in verblockteren Sektionen das spürbar angenehmere Dämpfungsverhalten der voluminöseren 2,35“ Version auf. Bei gleichem Luftdruck von 1,5 Bar „schluckte“ der Vorderreifen Unebenheiten noch problemlos, während das Heck meines Bikes schon zu springen begann. Ein übermäßiges Walken oder gar Burping war bislang nicht festzustellen, selbst bei provoziertem Unter- bzw. Übersteuern blieben die beiden Reifen satt auf den Felgen.

In solch einer Umgebung ist es auch uns nicht immer geschenkt zu testen …

Im fels- und gerölldurchsetzten hochalpinen Terrain blieb mir vor lauter Überraschung sprichwörtlich der Mund offen stehen, so begeistert war ich von der Performance der Forekaster-Brüder. Man könnte ja meinen, dass das offene, recht flache Profil früh Probleme im harten Gelände bekommen würde, aber weit gefehlt.Die Kombination aus niedrigen längs-, schäg- und quergestellten Profilblöcken hatte selbst auf sandigen Felsplatten wenig Probleme damit, mich mit dem nötigen Grip zu versorgen. Beide Reifen rollten auch dort leicht ab und bremsten den Vortrieb kaum. Das quergestellte Mitteprofil hat daran wahrscheinlich den größten Anteil, es bietet nicht nur eine größere Aufstandsfläche, sondern dank Lamellentechnik auch noch eine bessere Anpassungsfähigkeit an den Untergrund. Bei schnellen Kurvenkombinationen machte sich das bereits erwähnte gutmütige Einlenkverhalten wiederum positiv bemerkbar, die etwas massiveren, ebenfalls mit Lamellentechnik ausgestatteten Seitenstollen fanden auf Fels und Stein viel Halt, gefielen dabei durch ein sportlich-direktes Feedback vom Untergrund. Einmal in Kurvenlage gebracht, hielt das Forekaster-Duo die eingeschlagene Linie sauber bis zum Kurvenausgang. Der Grenzbereich zum Wegrutschen lag indes sehr hoch und kündigte sich etwa beim breiteren 2,35“ durch ein deutlich hörbares Stollenwalken an.

Egal ob lose, sandige Felsplatten oder erdig – der MAXXIS Forekaster ist stets Herr der Lage.

Doch was hilft der beste Reifen, wenn der Pannenschutz nur mäßig ausfällt? Aber auch in diesem Punkt hat man bei MAXXIS die Hausaufgaben gemacht und den Forekaster mit der robusten EXO PROTECTION Karkasse ausgestattet.

Von den vielen Felskontakten gezeichnet blieben bisher beide Reifen komplett ohne jegliche Defekte oder Pannen.

Bislang blieben die Reifen im Test absolut pannenfrei, obwohl die Seitenwände des schmäleren Hinterreifens einige bereits deutlich von Feindkontakten gezeichnet sind. Hier ragt die Reifenflanke ja über die Seitenstollen hinaus, meine – mittlerweile als unbegründet herausgestellten – Bedenken wegen möglicherweise höherer Pannenanfälligkeit hatte ich euch dazu im Intro mitgeteilt. Trotz einiger oberflächlicher Abschürfungen sind beide Forekaster bislang absolut dicht und überzeugen durch eine tadellose Tubeless-Performance.

Der bisherige Testablauf war überwiegend bei Idealbedingungen, der zweite Teil wird voraussichtlich eher herbstlich feucht und weniger angenehm werden.

Zwischenstand: Ihre erste große Bewährungsprobe auf den Vinschgauer Enduro- und heimischen Singletrails haben die beiden MAXXIS Forekaster Reifen mit Bravour bestanden. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass mir der gemäßigte MAXXIS Forekaster im fordernden Terrain derart viel Sicherheit und damit Fahrspaß bieten würde! Bisher gefielen mir die Reifen durch einen tollen Grip, viel Traktion und eine hohe Pannensicherheit auf allen gefahrenen Untergründen, inklusive vieler alpiner Felsentrails. Das Fahrverhalten kann man generell als äußerst angenehm und homogen beschreiben, ein guter Allrounder eben. Dass in der getesteten Variante gleichzeitig auch noch der Rollwiderstand, Pannenschutz und das Gerwicht passen, macht in für Fahrer technischer Trails genauso wie als klassischen Tourenreifen zu einem sehr interessanten Kandidaten.
Im zweiten Testabschnitt darf das Forekaster-Duo also seine Matsch-Fähigkeiten auf feuchten herbstlichen Trails mit viel nassem Laub unter Beweis stellen.

Stay tuned,
MiMü