KENDA Saber Pro Race-Reifen – Testfazit: von TH

Seit beinahe vier Wochen dreht sich der Race-Pneu KENDA Saber Pro nun schon bei uns im Test. Wie im Testintro angekündigt, haben wir den auf Gewicht und Speed ausgerichteten Race-Reifen mit dem Minimalprofil auf dem CUBE AMS C:68 SLT 29 ordentlich die Sporen gegeben.

Im Renntempo ging es damit unter anderem auf den Brocken und wieder hinunter. Aber auch auf meinen heimischen Trails im Berliner Umland musste der Reifen sich bei knallharten Trainingsintervallen beweisen. Und das auf ganz verschiedenen Untergründen: Von Asphalt über Waldboden bis zum Tiefsand war alles dabei, was einem im Bikerleben so unter die Räder kommen kann.

Sowohl im Rennen wie auch im Training konnte der KENDA Saber Pro in dem letzten Monat zeigen, was in ihm steckt. Wir waren beeindruckt!

Gleich vorab: Der KENDA Saber Pro meisterte all das mit Bravour. Nach der unkomplizierten Tubeless-Montage hatte der Reifen am Hinterrad zwar nach ein paar Ausfahrten über Nacht einmal die Luft verloren, doch das ließ sich mit einer Nachbetankung von Dichtmilch schnell wieder beheben. Beide Reifen waren von da an absolut dicht. Die Ursache für den Luftverlust konnte ich nicht aufklären, denn beide Reifen zeigen bisher weder Durchstiche noch sonst irgendwelche Kampfspuren.

Apropos Luftdruck: Bei meinen Tests empfand ich den Luftdruckbereich, in dem der Reifen optimal funktioniert, als ziemlich klein – ganz besonders am Vorderrad. Für mein Körpergewicht bewegte sich dieser Idealdruck zwischen 1,6 und 1,8 bar. So eingestellt, entwickelte der Saber Pro auf jedweden Untergründen einen beeindruckenden Grip. Unter 1,6 bar ist der KENDA bei moderatem Tempo zwar noch gut fahrbar gewesen, im Renntempo und aggressiver Fahrweise in Kurven wurde es dann schon grenzwertig. Bei über 1,8 bar Luftdruck zeigte sich der Saber Pro am Hinterrad weiter wie gewohnt, am Vorderrad begann er dann auf Wald- und Sandboden deutlich früher zu schieben. Bei Nässe verstärkte sich dieser Effekt noch.

Mit gerade einmal 2,05″ Breite angegeben, glänzt der KENDA Saber Pro mit viel Volumen und hohem Komfort.

Deutlich spürbar und positiv anzumerken ist das große Volumen der Reifen. Unebenheiten wie Wurzeln steckt der Saber Pro unbeeindruckt und sehr gut weg. Auch dadurch blieben Durchschläge im Test eher die Ausnahme. Trotz der geringen Drücke, die ich gefahren bin. Der Komfortgewinn aus der Kombination von großem Volumen und flexibler Karkasse ist beachtlich, der Saber Pro wäre daher auch ein perfekter Reifen für das Rennhardtail.

Angesichts der hervorragenden Rolleigenschaften war der bemerkenswert sichere Grip des Saber Pro eine positive Überraschung im Test.

Der Reifen passt sich grundsätzlich sehr gut an den Untergrund an und erzeugt bemerkenswert viel Grip. Der Saber Pro muss schon sehr ordentlich provoziert werden, bevor er aufgibt oder wegbricht. Für einen dedizierten Race-Reifen vermitteln die Pneus mit ihrem auf Speed optimierten Profil und dem Triple-Compound viel Sicherheit. Das große Volumen der Reifen tut sein Übriges, um das noch zu verstärken. Einzig im sehr hoch angesetzten Grenzbereich merkt man, dass der Saber Pro ein auf Speed getrimmter Racer ist: Das Traktionslimit kündigt sich nämlich nicht groß durch Rutschen an, sondern passiert auf einen Schlag. Bei einem Rennreifen dieser Klasse ist das nicht ungewöhnlich. Racer kennen das und können damit umgehen. Für Tourenfahrer, für die die bisherige Beschreibung recht vielversprechend klang, dürften dies aber schnell als Herausforderung empfinden. Die 2,2“ breite Variante des Saber Pro könnte hier aber etwas gutmütiger sein.

Als Racereifen mag auch der Saber Pro Schlamm und Nässe nicht unbedingt, schlägt sich aber auch dort sehr ordentlich.

Race-Reifen mögen Matsch nicht besonders, das ist beim Saber Pro nicht anders. Ein Kompromiss, der für den geringen Rollwiderstand eingegangen wird. Dennoch waren wir selbst auf weichen Böden erstaunt, wie selten dieser Reifen tatsächlich an die Grenzen kam. Dabei gab es Gelegenheiten genug, denn die Landschaft war im Testzeitraum zeitweise sehr feucht. Auch auf Schotter, Sand und Asphalt erlebte ich den Saber Pro jederzeit souverän und sicher. Besonders erfreulich ist seine gezeigte Resistenz gegen Pannen, obwohl das getestete Modell als leichteste Variante nicht über einen extra Pannenschutz verfügt. Bei einigen in meiner Gegend neu aufgeschotterten Wegen war ich skeptisch, wie lange die leichten Reifen das überstehen würden. Doch weder in die Seitenwand noch in die Lauffläche schafften es die teilweise wirklich spitzen Steine.

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Testfazit:

Insgesamt war der KENDA Saber Pro im Test eine sehr positive Überraschung. Der Saber Pro ist ein Reifen, wie Racer ihn lieben. Er muss sich keineswegs vor der etablierten Konkurrenz verstecken: Voluminös und mit flexibler Karkasse, extrem geringer Rollwiderstand und überraschend viel Grip. Er rollt richtig leicht ab, gefühlt mindestens genauso schnell wie der vorher montierte SCHWALBE Thunder Burt, und hat doch bei schwierigen Untergründen noch ordentlich Reserven.

Wer einen sehr schnellen und traktionsstarken Race-Reifen sucht, sollte sich den KENDA Saber Pro näher anschauen.

Auf dem Hinterrad arbeitet der Reifen völlig unauffällig und quittierte nur selten allzu ambitioniertes steil-bergauf-Pedalieren bei nassen Verhältnissen mit durchdrehendem Hinterrad. Auf dem Vorderrad zeigt er sich spurtreu, hatte aber für meinen Geschmack einen recht schmalen Luftdruckbereich, in dem er optimal funktioniert. Grundsätzlich vermittelt der KENDA Saber Pro viel Sicherheit und Kontrolle und fühlt sich leichtfüßig an. Damit verleitet er gern dazu, den Trail ein zweites Mal zu heizen. Ich musste in dem Test wirklich öfter hinschauen, um mich zu vergewissern, ob ich auch den richtigen Reifen dabei hatte. Am Heck würde ich den KENDA Saber Pro jederzeit im Rennen fahren, und nur bei ganz extremen Streckenbedingungen zu einem gröberen Vorderreifen greifen.

TH