CUBE AMS 100 C:68 SLT 29 – Testfazit: von c_g
(hierzu erschienene Artikel: Testintro des CUBE AMS 100 SLT 29, Zwischenstand)

Wer diesen Test mitverfolgt hat weiß: Das CUBE AMS 100 SLT ist nicht nur ein sauleichtes (9,1 kg!) und schnelles XC-Bike, sondern auch eines, das selbst auf technischeren Trails überraschend viel Sicherheit generiert und dementsprechend Spaß macht.

Auch wenn das CUBE AMS 100 C:68 SLT 29 ganz klar ein Rachebike ist, macht es doch auch auf dem Trail überraschend viel Spaß.

Insgesamt bietet das CUBE AMS 100 ein unglaublich gelungenes Zusammenspiel aus einem Top-Carbonrahmen, erstklassigen, sehr leichten Komponenten und einem überraschend fähigen Fahrwerk. Ein echtes Traumbike für alle die aus eigener Muskelkraft heraus gerne schnell unterwegs sind aber dafür nicht die Eigenheiten der sonst nicht selten kapriziösen Race-Bikes in Kauf nehmen wollen.
In dieser letzten Testphase habe ich mir wie bei uns üblich ein paar Gedanken darum gemacht, wo eventuell noch Optimierungspotential im Bike bzw. der Ausstattung steckt. Dazu habe ich das AMS 100 neben vielen Ausfahrten und Touren in heimischen Gefilden auch auf einen Kurztrip ins Kroatien mitgenommen, wo es nicht nur richtig Kilometer und Höhenmeter gesammelt hat, sondern sich außerdem den stets steinigen und oft sogar felsigen Trailbedingungen dort hat stellen müssen.

Für die felsigen Bedingungen in Kroatien und die langen Touren dort habe ich das Cockpit noch etwas auf mich optimiert und robustere Reifen montiert.

Kommen wir zuerst zu der zugegeben sehr kurzen Liste an Veränderungen, die ich in der Zeit am CUBE AMS SLT in der letzten Testphase vorgenommen habe: Allein meinen eigenen Vorlieben folgend, habe ich den ausgezeichneten NEWMEN Carbonlenker gegen den SQ-LAB Super 3 samt passender 411 Innerbarends getauscht. Gerade für lange Touren ist mir persönlich die Ergonomie der stärkeren Kröpfung und die alternativen Handpositionen wichtig genug für einen Umbau. Um den felsigen Bedingungen in Kroatien besser gerecht zu werden, habe ich außerdem die extrem leichten, aber eben auch empfindlichen SCHWALBE Liteskin Reifen gegen einen Satz VITTORIA Reifen mit verstärkter TNT Karkasse gewechselt.

Dank der zusätzlichen Pannensicherheit der VITTORIA TNT Reifen sind mir so jegliche Pannen erspart geblieben – bei solchen Verhältnissen keine Selbstverständlichkeit.

Die Tatsache, dass ich trotz scharfer Kalksteinkanten komplett ohne Reifenpannen geblieben bin, gibt mir Recht. Ich hatte zwar kurz darüber nachgedacht die mit 22 mm Innenweite recht schmalen NEWMEN Carbonlaufräder gegen einen LRS mit breiteten Felgen zu tauschen, aber weil ich ja ohne hin nicht vorhatte noch breitere Reifen zu fahren und außerdem neugierig war, wie die ultraleichten Laufräder mit den Belastungen und unvermeidlichen Felskontakten in Kroatien zurecht kommen würden, habe ich diese beibehalten. Ebenfalls eine richtige Entscheidung. Ansonsten konnte ich alles so belassen wie es war, denn um ganz ehrlich zu sein, außer rein subjektiven Vorlieben wie Cockpit und Sattel gibt es in meinen Augen nichts anderes was man an dem Bike noch ändern könnte ohne die Performance zu verschlechtern.

Kilometer abspulen und felsige Trails wechseln sich immer wieder ab und für beide war das AMS bestens gerüstet.

In den folgenden Wochen hat sich genau das bestätigt, was ich bereits im Zwischenstand schon geschriebne habe: Das CUBE AMS 100 SLT 29er ist als XC-Bike eine Wucht! Egal ob stundenlang auf grobschottrigen und oft steinigen Höhenstraßen mit maximalem Druck, auf felsigen Trails oder auf meinen waldigen und wurzeldurchsetzen Hometrails – das CUBE AMS giert nach Speed, bietet einen sagenhaften Vortrieb und zudem ein für das Gewicht und den Federweg  überraschend fähiges Fahrwerk.

 

Zugegeben, mit den deutlich schwereren Reifen ist die vorherige Sprint-Euphorie ein wenig gedämpft worden, aber das tat der Gesamtperformance des Bikes keinen Abbruch. Das CUBE AMS ist und bleibt ein extrem gelungenes Race-Bike für XC und Marathon und schafft es trotzdem sich auch in technischeren Passagen noch sehr sicher und ruhig fahren zu lassen.

 

Zwei kleine Details, die mir bereits früher aufgefallen sind und es wert sind angesprochen zu werden, sind die tolle Versenkbarkeit der Sattelstütze und die schnell erreichbare Dämpfer Rebound-Einstellung. In meinem Fall mit ungekürzter Stütze aber beinahe maximalem Auszug in meiner Sattelhöhe waren es über 20 cm (!) die sich die Stütze hat absenken lassen – mehr als man je brauchen wird. Weil man per 2-Positionen-Remote die Gabel und den Dämpfer nur ganz auf “offen” oder “starr” stellen kann, war es außerdem auch hilfreich, wie leicht die Rebound-Einstellung des Dämpfers erreichbar war. Je nach Terrain und Fahrstil, konnte man so einfach im Handumdrehen noch dieses Quentchen mehr an Effizienz oder Komfort einstellen, das es bei einem derart schnellen Bike manchmal braucht.

  

Als Auffälligkeiten bzw. Defekte kann ich nur zwei Kleinigkeiten anmerken. Einmal ist mir der Hebel des Lenker-Remotes, der beide FOX Federelemente simultan ansteuert, gebrochen. Nach Rückfrage war das ohnehin nur ein Torserien-Modell. Mit dem ein paar Tage später eintreffenden Originalteil, das deutlich vertauenerweckender ist,  gab es seither keinerlei Problem mehr und das Thema war gegessen. Interessanterweise habe ich den Lockout in der Zeit des Defektes nie wirklich vermisst, so effizient ist das Bike mit seinen straffen 100 mm, habe ihn dann aber doch immer wieder gerne auf Forststrassen genutzt.
Die andere Sache war, dass sich die Verschraubung am Hauptdrehpunkt mit der Zeit etwas gelockert hatte. Letzteres war wohl darauf zurückzuführen, dass bei der Erstmontage eine etwas zu schwache oder zu wenig Schraubensicherung eingesetzt worden war. Seit einer kurzen Behandlung mit mittelfestem Loctite ist alles dauerhaft fest geblieben.

Wie oben angedeutete, gab es auch keinerlei Probleme mit den extrem leichten NEWMEN Adavanced X.22 Carbonlaufrädern. Trotz wirklich fordernden, felsiger Trails in Kroatien  gab es an den gerade mal 1250 g schweren Laufrädern keineleri Auffälligkeiten. Auch nach über 4 Wochen Testdauer waren keinerlei Seiten-/Höhenschlag oder verminderte Speichenspannung festzustellen. Gerade in den zum Teil technischen Felsentrails hat sich gezeigt, dass die Leichtbau-Laufräder ordentlich, aber nicht übermäßig steif sind, genauso wie auch die FOX 32 Step-Cast Federgabel.

Wer testete in dieser Landschaft nicht gerne eine Bike?

Gerade auf langen, holprigen Strecken sehe ich darin sogar einen Bonus, denn der minimale Flex aus Gabel und Laufrädern generiert zusätzlichen Komfort und dämpft Vibrationen. Das alles macht das Bike insgesamt noch ein wenig fehlerverzeihender und auf Dauer effizienter. Sprintexperten mögen diesbezüglich natürlich anderer Meinung sein. Für mich treffen die Ultraleicht-Laufräder der Newcomer-Marke aus dem Allgäu daher genau die goldene Mitte aus vollkommen ausreichender Steifigkeit und komfortspendendem Flex … und das bei einem sagenhaften Gewicht!

IM Trainingscamp in Kroatien musste das CUBE AMS so manche Herausforderung meistern … und hat sich immer sehr gut dabei geschlagen.

Ein besonderes Lob möchte ich auch noch der NEWMEN Adavanced SL Sattelstütze aussprechen, die ebenfalls einen sehr guten Kompromiss aus komfortspendendem Flex und wippfreier Steifigkeit bietet. Der sehr leichte Vorbau mit geschlossener 2-Schraub Lenkerklemmung ist mustergültig steif und war auch beim Lenkerwechsel nicht problematisch. Trotz aller Leichtbaubemühungen hat man bei den Komponenten dennoch auch an einen Sattelstützenschnellspanner gedacht … und was für einen! Die TUNE Würger funktioniert erstklassig und klemmt bereits bei geringen Bedienkräften mit einer großen Autorität. Wirklich klasse!

Angesichts der oft steilen Anstiege zuhause und auch in Kroatien hätte ich mir mitunter die erweiterte Übersetzungsbandbreite einer Eagle Schaltung gewünscht, aber gerade weil das Bike ja so leicht ist, war es nie ein echtes Problem. Im Wiegetritt lies sich das CUBE AMS auch mit dem 34er Kettenblatt und der 10-42 XX1 Kassette jede noch so steilen Anstieg „hoch drücken“. Auf Strecke war die Übersetzung sehr gelungen und war für meinen Ansprüche auch bei maximalem Tempo noch schnell genug. Nach Aussage von CUBE Produktmanager Frank Greifzu ist man sich dieses Kompromisses bewusst: “Wir wollten gewichtstechnisch einfach ein Zeichen setzen und haben deshalb die superleichte RaceFace Next SL Kurbel gewählt, die aber den offiziellen Vorgaben nach nicht mit SRAM Eagle Technologie konform ist. Zudem sehen wir einen sportlich sehr ambitionierten Kunden bei dem Modell, der im Zweifelsfall mit 11 Gängen auskommt. Das neue SLT 2018 wird übrigens die XX1 Eagle bekommen. 2018 wird das Modell minimal schwerer, aber eben moderater angesiedelt.
Wer meint schon beim aktuellen AMS SLT noch leichtere Uphill-Gänge oder noch mehr Speed zu brauchen, kann mit wenig Aufwand und Kosten auf ein anderes Kettenblatt umrüsten. Außerdem: Das AMS 100 kann ja sogar mit Umwerfer und einer 2-fach Schaltung aufgebaut werden, wie es die beiden anderen Versionen des Bikes es sogar sind. Auch hier hat man also alle Möglichkeiten.

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Testfazit:

Das CUBE AMS 100 C:68 SLT ist genau wie es die Typbezeichnung vermuten lässt eine Kombination aus einem ultraleichten und wunderschönen Carbonrahmen mit Komponenten, die edler und leichter kaum sein könnten. Mit einem wahnsinnig niedrigen Gesamtgewicht von nur knapp über 9 kg und auch funktionell erstklassigen  Komponenten trifft es seinen beabsichtigten Einsatzbereich aus XC- und Marathon-Race perfekt.

Darüber hinaus bietet es aber auch eine überraschend gute Federungsperformance und ein so agil-sicheres Handling, dass auch traillastigere Ausfahrten damit sehr viel Spaß machen. Für mich ein rundum gelungenes XC-Bike, das mit 5999.- Euro zwar kein Schnäppchen ist, aber angesichts seiner Performance jeden Cent Wert ist sein.

RIDE ON,
c_g