AMERICAN CLASSIC Smokin’ Gun 27,5+ Plus – Erste Eindrücke: von MiMü

21. Juli, also gut drei Monate ist es her, seit wir euch das Intro zum AMERICAN CLASSIC Smokin’ Gun Plus-Laufradsatz geliefert haben … und seitdem habt ihr von uns nichts mehr darüber gehört.

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In Kombination mit Plusreifen sind breite Felgen eine Pflicht- die AMERICAN CLASSIC Smokin’Gun mit 40 mm Innenweite sind zudem auch noch ausgesprochen leicht.

Drei Dinge haben letzten Endes einen ordentlichen Testbeginn verzögert: Anfangs war meine Wunschgabel, eine Rock Shox Pike mit Boost-Standard, nicht lieferbar. Also die Bestellung storniert und eine Alternative gesucht (und zwar eine, die nicht an jedem Bike zu finden ist): Nach eininger Recherche entschied ich mich für die X-FUSION McQueen Roughcut HLR, eine in unseren Breiten noch schwer erhältliche Trail-Gabel, die mit ihrem UVP von 799.- Euro zudem eine preislich interessante Altnative zu Pike & Co ist. Schlecht kann die Gabel nicht sein, denn COTIC beispielsweise vertraut bei der Gold 29 Spezifikation seines Enduro-Fullys RocketMAX auf das gleiche Modell. Leider hatte auch diese Gabel eine (glücklicherweise vertretbare ;-)) Lieferzeit von vier Wochen, in der heimischen Werkstatt traf sie dann Anfang September ein. Und letzten Endes war ich im September dermaßen mit Arbeit eingedeckt, dass an ein gewissenhaftes Laufradtesten des nicht zu denken war.  „Gut Ding braucht manchmal also wirklich eine Weile!“

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Praxiseindrücke

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Das LAST Fastforward im Testeinsatz – hier als Plushardtail.

Mit ihren 40 mm Maulweite überragen die Smokin’Gun Felgen alles, was ich bisher gefahren bin. Ich war gespannt, wieviel Laufruhe und Steifigkeit die Laufräder bieten würden … und ich wurde nicht enttäuscht:Dank ihrer Breite in Kombination mit den beiden Plus-Size-Reifen WTB Bridger und Trail Boss mit immerhin 3,0 Zoll Breite war der „Draufhalt“-Faktor im bisherigen Testverlauf sehr hoch. Wurzeln, schräg verlaufende Wasserrinnen, Geröllfelder – nichts konnte die „rauchenden Colts“ bis dato aus der Ruhe bringen. Die eingeschlagene Fahrtrichtung wird stoisch eingehalten, ohne dabei je indirekt oder gar schwammig zu wirken. AMERICAN CLASSIC hat beim Einspeichen mit 32 dreifach gekreuzten Speichen einen für den Piloten sehr angenehmen Mittelweg aus Komfort und sportlicher Direktheit gewählt – Vorder- wie Hinterrad gefallen durch ihre Stabilität, sind dabei aber nicht bockhart. Für mein LAST Fastforward Enduro Hardtail genau der richtige Laufradsatz.

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Die beiden WTB-Reifen ermutigten mich dank ihres gutmütigen Fahrverhaltens zum Herumexperimentieren mit dem Luftdruck. Immerhin sollen Plus-Reifen ihre besseren Gelände-Eigenschaften ja auch dank geringeren Luftdruckwerten erreichen, ohne dabei allzu schwammig oder pannenanfällig zu werden.
Meinen persönlichen Minimalwert habe ich mit den robusten WTB Reifen auf den Smokin’Gun Laufrädern bei 0,8 Bar gefunden. Damit hatte ich einen enorm komfortablen und überrollfreudigen Laufradsatz unter mir, der sich noch recht gut beschleunigen und weiterhin super einlenken lies. Ungewolltes Reifenwalken oder gar Burping war nicht festzustellen. Der Kurvengrip war ähnlich hoch wie mit meinem persönlichen Idealdruck von 1,1 Bar beim Bridger und 1,3 Bar beim Trail Boss, der Rollwiderstand beider Reifen akzeptabel, die Brems- sowie Antriebstraktion dank hoher Anpassungsfähigkeit hervorragend. Den einen oder anderen Durchschlag konnte ich mit diesem Luftdruck zwar provozieren, Bridger wie Trail Boss blieben danach aber zu 100% dicht und die Felgen trugen keine sichtbaren Schäden davon, die im Intro monierten lediglich 1,5 mm dünnen Felgenhörner zeigen noch keine Kampfspuren.

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Egal, was der Trail für einen bereit hält – mit fähigen Plusreifen und den passenden Laufrädern kennt die Traktion kaum Grenzen.

Womit wir auch gleich bei den tubeless-Eigenschaften des Smokin’ Gun wären. Wie nicht anders erwartet stellte die Reifenmontage keine große Sache dar, jeweils 80 ml genügten um die beiden 3 Zoll Reifen luftdicht zu machen. Anfangs hielten beiden Pneus den eingestellten Luftdruck auch über einen längeren Zeitraum – dazu aber später mehr. AMERICAN CLASSIC verwendete bisher ja ein sehr dünnes, wenig robustes Felgenband, das schon bei minimalem Reifenheber-Einsatz leicht zu beschädigen war. Das neuere Band wirkt nun robuster, widerstandsfähiger, wurde ab Werk glatt und blasenfrei ins breite Felgenbett eingeklebt. Zudem sind die Felgenlöcher noch mit einer zusätzlichen Lage durchsichtigem Gewebeband abgeklebt – gute Voraussetzungen also für eine langlebige Beziehung.

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Auch auf Touren – hier im Vinschgau – durften sich die Plus-Laufräder bewähren.

Nicht unentscheidend für den Fahrspaß auf den Trails ist neben der erwähnten Direktheit die Beschleunigung eines Laufradsatzes und da kann der Smokin’Gun dank seiner nur 1780 g voll und ganz punkten. Den subjektiven Vergleich mit meinem eigenen 1880 g schweren 29“ LRS bestehend aus DT Swiss EX471 Felgen und DT SWISS/SHIMANO-Naben entscheidet der AMERICAN CLASSIC knapp für sich, und das trotz des Einsatzes eines Maxxis Minion Semislick am 29“ Hinterrad.
Das ist insofern interessant, weil der komplette Plus-Laufradsatz (sprich LRS, Reifen, Kassette, 2x Bremsscheibe, tubeless-Ventil + Milch) mit 4817 g doch schwerer ist als sein 29“-Pendant mit 4437 g. Hier schient die Tatsache, dass die zu beschleunigende, Maße kann in einem kleineren Radius liegt, das höhere Gewicht in etwa auszugleichen. Interessant.

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Wie auch in den bisherigen Tests, gab es keinerlei Auffälligkeiten bei den Naben zu verzeichnen.

Von Seiten der Naben gibt es nichts Besonderes zu berichten. Lautlos und spielfrei drehen sie sich die Achsen in den Nabenkörpern, dank groß dimensionierter Gummidichtkappen ist eindringender Schmutz bisher kein Problem. Gut finde ich die leichte Umrüstbarkeit der Naben, wodurch bei einem Bike-Wechsel nicht zwangsläufig die teure Neuanschaffung eines neuen Satzes Laufräder nötig wird. Die Umrüstkits kosten zwischen 35.- und 40.- €, der Umbau selbst geht einfach von der Hand, da freuen sich Schrauber-Herz und Geldbörse.

WAS SONST NOCH AUFGEFALLEN IST: Nach rund 14 Tagen Testdauer fiel am Hinterrad ein immer häufig auftretender Luftverlust auf. Bei der Reifendemontage wurde der Grund schnell sichtbar, das serienmäßige tubeless-Band hatte sich auf einer Länge von Rund 7cm vom Felgengrund gelöst und so für die Undichtigkeit gesorgt. Ich entschied mich das komplette Band zu entfernen und gegen ein etwas dickeres TESA-Aftermarket-Band zu ersetzen. Seitdem herrscht am Hinterrad wieder die sprichwörtliche Ruhe, kein verdächtiges Zischen ist mehr zu vernehmen und der Luftdruck bleibt konstant.

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Bisher geben sich die ausgesprochen leichten AMERICAN CLASSIC Smokin’Gun Laufräder sehr zuverlässig und sorgenfrei.

ZWISCHENFAZIT: Für die Felgenbreite von 40mm richtig leicht, dennoch stabil, gut zu beschleunigen und mit genügend Komfort ausgestattet, um auch auf dem Trail-Hardtail ordentlich Spaß zu machen – so präsentiert sich der AMERICAN CLASSIC Smokin’ Gun in der 27,5+ Variante im bisherigen Testbetrieb. Abgesehen von dem kleinen Problem mit dem sich ablösenden Dichttape macht das Testen der Plusreifen-Kategorie mit dem Smokin’ Gun sehr viel Freude, die breite Felge verleiht den dicken Schlappen enorm viel Komfort, ohne dabei auf sportliche Direktheit zu vergessen. Nachdem sich die beiden WTB-Pneus in Kürze in den Testruhestand verabschieden werden, bin ich schon gespannt, was der nächste Reifentest zeigen wird.

MiMü