Eurobike’16 – Individuelle Bikes von STOLL BIKES: von c_g 

„Customizing“ bzw. „Individualisierung“ von Bikes stehen sind wichtige Kaufargumente wenn man im obersten Premium-Segment schaut. Sich von der Stangenware nicht nur in Form von Tuning-Komponenten abheben, ein einzigartiges Bike fahren – das sind Dinge, die wohl nie aus der Mode kommen. Deswegen haben wir diese Kurzserie drei neuen bzw. sehr jungen Marken gewidmet, die sich ganz und gar diesem Bereich gewidmet haben … jede auf ihre ganz eigene Art:

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Der STOLL Rahmen wird bei BIKE AHEAD nach Kundenwunsch und mit einem individualisierten Layup gefertigt und danach mit viel Erfahrung von STOLL mit den perfekt passenden Teilen nach Kundenwunsch zusammengestellt.

Den Anfang darf die erst 2016 gegründete, Schweizer Marke STOLL BIKES mit ihrem bisher einzigen Bike, einem 29er Fully machen. Schon allein optisch sticht der Vollcarbonrahmen durch seine dynamische und doch kantige Formsprache aus der Masse der meist runden und organisch wirkenden Carbonrahmen heraus. Mir jedenfalls ist das STOLL M1 in jeder Hinsicht sehr positiv aufgefallen. Aber nicht nur mir, denn obwohl zum ersten Mal dabei, hat STOLL mit dem Bike bereits beim Erstauftritt den Eurobike Award 2016 gewonnen.

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Thomas Stoll, der Geschäftsführer und Namensgeber von STOLL BIKES ist selbst erfahrener Profi Racer. Er hat bereits intensiv bei dem STÖCKLI Teambike (Made by BIKE AHEAD COMPOSITES) kräftig mitgewirkt. Diese Zusammenarbeit wurde nun mit STOLL auf eigene Beine gestellt, denn auch der STOLL Rahmen wird bei BIKE AHEAD von Christian Gemperlein und dessen Team gefertigt. Individuell heißt indem Fall, dass sogar das Carbon Layup des Rahmens speziell auf den Fahrer und Fahrstil angepasst wird – je nach Kundenwunsch eher auf maximalen Leichtbau oder mehr Steifigkeit und Robustheit gefertigt.

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Das STOLL M1 nochmal in seiner ganzen Schönheit. (by STOLL BIKES)

Aufgrund der sehr aufwendigen komplett händischen Konstruktion gibt es eigentlich nur einen Hauptrahmen und einen Hinterbau, die beide bei BIKE AHEAD COMPOSITES in Deutschland gefertigt werden. Durch Einsatz unterschiedlicher Umlenkhebel könne beide aber auf unterschiedliche Federwege ausgelegt werden. Dadurch und über die Ausstattung entsteht die Unterscheidung zwischen den beiden Modellbezeichnungen M1 für das Marathonbike mit 125 mm (oben) und T1 für das Trail-/All-Mountain-Bike mit 138 mm Federweg (unten).

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Mit etwas mehr Federweg und einer angepassten Ausstattung ist das STOLL T1 die traillastige Interpretation des identischen Carbonrahmens.

Schaut man sich die Geometrietabelle der drei verfügbaren Rahmengrößen an (hier am Beispiel eines STOLL T1 mit 130 mm Federgabel und 138 mm Heck-Federweg, gibt es zunächst keine echten Auffälligkeiten. Statt dessen wirkt das Bike den zahlen nach absolut stimmig, vom Lenkwinkel mit 68,25° (bzw. 68,5°in Rahmengröße S), über den /4,5° Sitzwinkel, bis zu den mit 438 moderat geratenen Kettenstreben.

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Interessant wird es, wenn man sich exemplarisch ein paar Konfigurationsvorschläge nach Einsatzbereich geordnet ansieht. Wie man der unteren Tabelle entnehmen kann ,  scheut STOLL sich keineswegs den längeren Federweg von 138 mm am Heck von 140 bis 120 mm Federweg an der Front einzusetzen .. mit den dementsprechenden Geometriveränderungen. Nach dem Vorschlag dort, verwendet STOLL lediglich in Kombination mit 100 mm Gabeln den kürzeren Federweg von 125 mm. Diese Philosophie hat zur Folge, dass das Bike bei dem vorgeschlagenen Sag von 28% (nicht vergessen: Still ist Schweizer ;-)) am Heck effektiv tiefer einsinkt, was sich je nach Kombination in der Praxis in einem bis zu 0,5° flacheren Sitz- und Lenkwinkel im Sagbereich auswirkt.

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Doch die Individualisierung findet bei STOLL nicht auf de Papier und in Form von E-Mails und Telefonaten statt. Nach dem Motto “Der Trail ist unsere Verkaufstheke” geht der Weg zum eigenen STOLL vielmehr über Trail-Testrunden mit dem Firmeneigentümer, der pro “Verkaufsgespräch” bereits ein paar unterschiedliche Testbikes in der passenden Rahmengrößeidabie hat und so dem Kunden ganz praktisch die Wahlmöglichkeit näherbringt. Hier findet man das persönliche Dreambike nicht nur auf dem Papier, sondern auf dem Trail und kann viele Variablen so direkt in der Praxis selber erfahren und überprüfen. Ein kreativer und im Premium-Bereich nachahmenswerter Ansatz.

 

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Wer sich ein STOLL Bike kaufen will, darf sich darauf freuen mit Radprofi Thomas Still auf Testrunden zu gehen. So garantiert STOLL das wirklich optimale Bike für jeden Kunden.

Die Erkenntnisse der Testrunden werden dann intensiv besprochen, die Wunschausstattung festgelegt und erst dann ergeht der Auftrag an BIKE AHEAD den Rahmen zu fertigen – mit einem optimal angepassten Carbon-Layup. Je nach Ausstattung, die von A bis Z individuell zusammengestellt wird, entsteht so ein Bike, das von Marathon bis hin zu Trail-/All-Mountain jeden Einsatzbereich abdeckt. So verknüpft STOLL all seine eigenen Erfahrungen als Profibiker, die Möglichkeit echter Testfahrten mit den Wünschen und Vorlieben des Kunden und schafft so ein wahrlich individualisiertes Bike. Natürlich können auch das Finish und die Dekore ganz individuell besprochen und realisiert.

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Anstatt mit Sichtkarbon zu arbeiten, wie viele andere Hersteller, wird der Rahmen nach dem Aushärten kaum noch nachbehandelt.

Dass so ein Aufwand auch seinen Preis hat, versteht sich von selbst, doch wenn man bedenkt in welchen Preisregionen selbst „Serienbikes“ heute bereits rangieren, sind die 7000.- CHF, welche STOLL als Basis nennt, gar nicht so abgehoben. Wer sich ganz sicher ist, was er (oder sie) will und sich einfach nur einen STOLL Rahmen „Made by BIKE AHEAD“ sichern will, kann das auf besonderen Wunsch auch machen.

RIDE ON,
c_g