NORCO Optic 9.2 – Testfazit: von c_g

Die kanadische Bikeschmiede NORCO, bisher bei uns am ehesten bekannt für ihr Engagement im Gravity Bereich, wollte mit dem neuen Trailbike Optic ein Bike, das den Spaß auf dem Trail wieder mehr in den Fokus rückt – ein effizientes Bike mit hohem Funfactor. Wir haben das Optic 9.2 zuerst im Trailcenter Rabenberg für ein Wochenende in beiden Formaten (29er und 27,5“) gefahren und danach als 29er in einem ganz normalen TNI-Test auf unseren wohlbekannten Hometrails noch mal richtig rangenommen.

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Das Gesamtkonzept

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Das Norco Optic durfte unter wirklich miesen Verhältnissen zeigen, was es kann … und hat dennoch immer richtig Spaß gemacht!

Es kommt wirklich selten vor, dass ich an einem Komplettbike nicht zumindest kleinere Änderungen vornehme um gewisse Charakterzüge besser zu ergründen – sei es ein kürzerer Vorbau oder ein breiterer Lenker oder andere Griffe. Das giftgrüne NORCO Optic 9.2 ist allerdings eines der seltenen löblichen Beispiele dafür, dass man nicht immer etwas verändern muss. Bis zum Testende habe ich außer bei den Reifen nirgends einen Anlass gesehen daran zu schrauben … und bei den Reifen war der Umbau vor allem witterungsbedingt … siehe Abbildung oben :-).

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Bei den nasse.schlammigen Verhältnissen, war SCHWALBE’s Fat Albert ein nahezu idealer Reifen.

Die original verbauten en SCHWALBE Nobby Nic 2.25 an der Front und der Racing Ralph 2.25 waren bei den meist sehr nassen Bedingungen während des Tests einfach zu sehr limitierender Faktor um die Grenzen des Bikes wirklich voll zu ergründen. So habe ich nach dem letzten Post zum Zwischenstand die breiteren und vor allem schlammtauglichen SCHWALBE Fat Albert 2.35 aufgezogen, mit denen ich bis zum Testabschluss unterwegs gewesen bin. Die schlauchlos Umrüstung auf der bereits getapten EASTON ARC Felge war jedenfalls absolut ereignislos – ein ordentlicher Luftstoß aus der TOPEAK Joe Blow Booster und die Reifen saßen sicher auf den 24 mm Felgen. Mit der Bereifung konnte ich das Bike auch bei den nassen Verhältnissen schon deutlich aggressiver fahren … und wow!

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Die ART genannte Kinematik des Hinterbaus funktioniert mit ihren 110 mm Federwegs am Optic so gut, dass man den Dämpfer eigentlich immer offen fahren kann.

Während ich ja bereits im Zwischenstand ausführlich darüber geschrieben habe, wie effizient, zugleich komfortabel und auch noch sicher sich das Optic 9.2 fährt, konnte ich ihm jetzt auch auf technischen Trails so richtig die Sporen geben. Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, dass das NORCO Optic ein Bike ist, das mit seinen Herausforderungen wächst – je weiter ich das Bike gefordert habe, je härter ich es gefahren bin, desto weiter ist es mit mir mitgegangen. Die immer forschere Gangart hatte zwar zur Folge, dass ich den Federelemente etwas mehr Reserven durch einen höheren Luftdruck habe geben müssen – ein klein wenig zu Lasten der Sensibilität – aber ansonsten blieb das Optic auch dann ein zuverlässiges und sehr fähiges Bike.
Anmerkung: Wäre es mein Bike, würde ich die Federkennlinien mit ein paar Spacern für mein Gewicht (90 kg zzgl. Ausrüstung) und meinen Fahrstil etwas progressiver abstimmen, aber das ist zum einen jedem selber überlassen und zudem nichts was man dem Bike als Kritikpunkt ankreiden könnte.

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Auch wenn es mal etwas gröber wird, macht das Optic eine für seinen kurzen Federweg erstaunlich gute Figur.

Ich erinnere mich gut an eine spezielle eher flowige Abfahrt mit drei Sprüngen in Folge, bei der ich zu meiner persönlichen Überraschung genauso schnell und genauso sicher unterwegs war wie mit meinem 140 mm CUBE Stereo. Der subjektiv sehr sicheren Geometrie und den robusten Komponenten sei Dank.
Im unteren Abschnitt ist der selbe Trail mit gröberen Wurzeln durchsetzt und erst hier hat mich das Optic daran erinnert, dass es eben doch nicht ganz so viel Reserven besitzt. Hier war dann schon eine etwas aktivere Fahrweise gefragt um die gleiche, hohe Geschwindigkeit aufrecht zu erhalten. Spaß gemacht hat es aber mindestens genauso viel wie mit dem All-Mountain Fully, mit dem ich hier einfach nur draufhalten kann.

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Auch beim Blick auf die Komponenten habe ich für den breit gefächerten Einsatzbereich nirgendwo echte Schwächen entdeckt.

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Auch bergauf gab sich das Optic keine Blöße – das kompakte Heck, und die gesamte Geometrie machen das Bike sehr vielseitig.

Von dem aus meiner Sicht perfekt ausgewählt kurzen und breiten Cockpit (50 mm Vorbau und 760 mm Lenker) hatte ich ja bereits weiter oben schon geschrieben. Die SHIMANO XT Bremsen bleiben in dem Test ebenfalls zuverlässig unauffällig, genauso wie die schnelle Reverb Stealth Dropper-Stütze oder der 2×11 SHIMANO XT Antrieb mit RACE FACE Turbine Kurbel (26/36 Zähne). Wie bereits erwähnt, liefert NORCO das Bike auch immer mit einem Direct-Mount Einfach-Kettenblatt (30 Zähne) aus, aber gerade wegen der Vielseitigkeit fand ich hier die 2×11 Kombi durchaus angebracht und passend. Die einzige echte Motivation auf 1×11 umzusteigen wäre für mich die damit mögliche Gewichtsersparnis. Selbst den im Intro mit Fragezeichen versehenen Gabel-Remote, habe ich mittlerweile eher liebgewonnen, denn während das Heck durchweg offen gefahren werden kann, helfen Plattformdämpfung und Lockout bei Sprints und im Wiegetritt sehr wohl die Front zu beruhigen.

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Giftgrünes Bike auf grünem Hintergrund – das NORCO Optic 9.2 weiß auch im Design zu gefallen.

Manch einer mag argumentieren, dass die spezifizierte FOX 34 mit 120 mm Federweg „zu viel des Guten“ wäre und es eine 32er bei geringerem Gewicht ebenfalls getan hätte, aber wenn ich bedenke, welche Trails ich damit gefahren bin, bin ich doch ganz froh um die zusätzliche Lenkpräzision einer 34er am Optic.

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Mit den richtigen Reifen kann man auch bei Nässe noch richtig Spaß haben.

Bei den Laufrädern habe ich auch keinerlei Defizite entdeckt. Der Curstomaufbau aus EASTON ARC 24 Felge, SRAM Boost Naben und konifizierten Sapim Speichen funktioniert top. Ich muss aber dennoch anmerken, dass gerade die breiten 2,35er Fat Alberts doch Drücke über 1,8 bar erfordern, denn für die mit dem Optic mögliche Fahrweise hilft jeder Millimeter mehr den Reifen zu stabilisieren. Hier würde ich sagen, dass die 24 mm Maulweite der Felge objektiv kein Kritikpunkt sind – manche Bikes der Klasse kommen mit nochmal schmälerem Material daher – für mich persönlich wäre das Bike mit noch etwas breiteren Felgen aber noch vielseitiger und noch besser. Andererseits, bin ich diesbezüglich auch etwas extremer, als die meisten anderen Fahrer …

Der einzige Kompromiss, den man mit dem Optic angesichts der Vielseitigkeit eingeht. ist das insgesamt doch etwas hohe Gesamtgewicht von 12,9 kg. Wie aber bereits beschrieben hat mich das ganz ehrlich nie gestört, denn, wie bereits erwähnt, fährt sich das Optic 9.2 wie ein deutlich leichteres Bike.

29a NORCO Optic 9_2Ganz zum Schluss muss ich noch einen kleinen Kritikpunkt bezüglich der Zugverlegung ansprechen: Grundsätzlich ist diese bei dem NORCO sehr gut gelöst und die abschraubbaren Einlässe sind optimal. Auch das durch die rechte Kettenstrebe geführte Schaltkabel ist wunderbar aufgeräumt, wenn auch nicht unbedingt einfach bei der Verlegung :-), aber der über die Kettenstrebe fixierte Bremsschlauch reibt im Falle der SHIMANO Bremse sehr kräftig an der linken Sitzstrebe – Hier sollte man unbedingt einen robusten Lackschutz anbringen um solche unschönen Schürstellen wie an unserm Testrahmen zu vermeiden.

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Erst zum Testende kam für ein paar tage die Sonne raus und erlaubte einen genussvollen Abschluss ohne Schlammkruste :-).

Testfazit: Am Ende des Tests hinterlässt das NORCO Optic 9.2 bei mir einen sehr positiven Eindruck. Ähnlich wie das VOTEC VC Hardtail im Test unmittelbar davor, ist das Optic ein Grenzgänger zwischen den Kategorien, tut das aber derart selbstverständlich und ohne große Mühe, dass ich es für ein breites Fahrerspektrum empfehlen kann. Gerade weil das Optic ein so agil-sicheres Handling hat, eine so effiziente und dennoch potente Federung besitzt und auch in seinen übrigen Komponenten wunderbar stimmig daherkommt, sehe ich es genauso als Marathonbike für Hobbyfahrer, effizientes und gutmütiges Tourenbike und selbstverständlich als waschechtes und fähiges Trailbike, das einem auch mal eine heftigere Gangart verzeiht.
24 NORCO Optic 9_2Den Aufwand, den NORCO treibt um das Optic in jeder Rahmengröße optimal auf die Fahrerproportionen anzupassen – Stichwort Gravity Tune und Size Scaled Tuning – sind weitere Beweise dafür, dass die Kanadier ihren Bikes viel Detailliebe angedeihen lassen.
Wie gesagt, je mehr ich diese neue Sparte der progressiven Trailbikes fahre, desto mehr mag ich sie als sehr fähige Allrounder ohne große Kompromisse. Wenn ich bedenke, wie weit sich die Bikes in den letzen Jahren entwickelt haben … Wahnsinn!!

RIDE ON,
c_g