SRAM GX 2×11 Antriebsgruppe – Testfazit: von MiMü

60 SRAM GX

Die SRAM GX 2×11 Antriebsgruppe war auf dem SALSA Horsethief seit gut 6 Monaten im Dauereinsatz

Das schöne an einem Langzeittest sind die Tatsachen, dass man zum einen eine innigere Beziehung zu den getesteten Produkten und deren Features aufbauen kann, zum anderen mögliche „Kinderkrankheiten“ ans Licht kommen, die ein Kurztest unbelichtet lassen würde.

So ist es mittlerweile exakt sechs Monate her, dass wir euch SRAMs (damalige) 11-fach Einstiegsgruppe GX in der 2×11 Konfiguration in all ihren Details präsentiert haben, euch einige Zeit später über die ersten Trailerfahrungen berichten durften und dann noch ein zwischenzeitliches Update liefern konnten. Nun ist aber definitiv Zeit ein Fazit zu ziehen.

Lasst mich die einzelnen Bauteile der Reihe nach durchgehen:

********************************
Trigger-Schalthebel:

68 SRAM GX-Trigger

Tadellose Funktion und edle Optik – was kann man von Schalthebeln mehr verlangen?

Die beiden Trigger-Schalthebel verrichten ihre Arbeit genauso präzise und knackig-direkt wie am ersten Testtag. Bei der Lagerung der Hebel hat SRAM offensichtlich nicht gespart, denn trotz intensiver Nutzung konnte ich keinerlei ungewolltes Hebelspiel oder sich verschlechternde Schaltperformance feststellen. In Kombination mit den SRAM-eigenen schmal bauenden MMX-Schellen war mein Cockpit zudem halbwegs aufgeräumt – eine echte Integration war mit den aktuell verbauten HOPE-Bremsen und ihren separaten Schellen leider nicht möglich. Im direkten Vergleich mit dem X01-Shifter des gerade erst getesteten SALSA Horsethief Carbon 1 fällt der Unterschied im Schaltungsverhalten marginal aus. Natürlich bietet der teurere X01 eine aufwendigere Lagerung, ein paar Hebeleinstellmöglichkeiten mehr und sieht zudem einfach edler aus. Was aber die reine Schaltperformance betrifft, können die GX-Trigger problemlos mithalten.

*********************************
Umwerfer

62 SRAM GX

Auch der Umwerfer – normalerweise nicht SRAM’s stärkstes Bauteil konnte in seiner Funktion voll und ganz überzeugen.

Kommen wir als nächstes zum Umwerfer. Die getestete High-Directmount-Variante blieb die gesamte Testdauer über auffällig unauffällig. Beinahe permanenter Beschuss mit Matsch, Kies und sonstigen Bodenproben konnte seine Funktion ebenso wenig beeinträchtigen wie der eine oder andere Kettenklemmer.
Die beiden Leitbleche stehen noch immer parallel zu den Kettenblättern, zeigen nur normale Schleifspuren vom Hoch- und Runterschalten.
Besonders erwähnenswert finde ich die Tatsache, dass bis dato kein Nachjustieren der Zugspannung notwendig war. Somit kann die Zusammenarbeit von 2-fach Trigger und Umwerfer selbst nach sechs intensiven Monaten vollkommen überzeugen.

********************************
2-fach Kettenblätter

66 SRAM GX

Der Test blieb nicht ohne Spuren, aber von übermäßigem Verschleiß kann keine rede sein.

Die beiden 36- bzw. 24-Zahn Alu-Kettenblätter zeigen die üblichen Gebrauchsspuren in Form von Kettenschleifspuren und spitzeren Zähnen – von fortgeschrittener Karies oder gar Zahnverlust ist bis jetzt aber noch nichts zu erkennen. Auch das Hoch- und Runterschalten funktioniert präzise wie am ersten Tag, die Steighilfen des großen Kettenblattes verrichten ihren Dienst selbst bei niedrigen Trittfrequenzen ohne Tadel. Chainsuck musste ich während der gesamten Testphase keinen einzigen verzeichnen.

********************************
Kurbelarme

63 SRAM GX

Bis auf ein paar kleiner Kratzer ist der Dauertest der Trubel kaum anzusehen.

An den Oberflächen der Kurbelarme erkennt man zwar ein paar wenige Schleifspuren von den Schuhen, diese sind aber – gerade wenn man die intensive Nutzung der GX-Kurbel während der nassen Jahreszeit mit einbezieht – mehr als verkraftbar. Kleinere Kratzer zieren die Kurbelenden, was mich mittlerweile zum Kauf von einem Set RACE FACE Crank Boots bewogen hat – für all diejenigen, die eine günstige Möglichkeit suchen um ihre Kurbeln zu schützen sind diese robusten, aber dennoch leichten Plastik-Verhüterli eine echte gute Lösung.

********************************
Pressfit-Innenlager

67 SRAM GX-Pressfitlager_comp

Entgegen der ersten Testphase konnte im späteren Verlauf kein Schmutz hinter die Dichtung kommen – möglicherweise ein Resultat einer sorgfältigeren Montage.

Das zwischenzeitlich monierte BB86/BB92 Pressfit-Innenlager blieb seit dem Update Anfang Jänner unauffällig. Die abschließende Demontage brachte nahezu vollständig saubere Lager zum Vorschein, die noch dazu spielfrei und ohne Ruckeln liefen. An den beiden Gummidichtungsinnenseiten hafteten bei der Abschlusskontrolle nur sehr wenig Schmutzpartikel. Woran das in der Anfangsphase unseres Dauertest aufgetretene starke Verschmutzen der beiden Lagerschalen gelegen haben könnte, darüber kann ich nur spekulieren. Möglicherweise habe ich bei der Montage des linken Kurbelarms das vorgeschriebene Anzugsdrehmoment nicht zu 100% eingehalten, wodurch die Gummidichtungen eine leicht konkave Form bekamen und in der Folge ein schmutzanziehender Spalt zwischen Dichtung und Kugellager entstand.

********************************
GX 2×11 Schaltwerk

61 SRAM GX 71 SRAM GX

Ebenso präzise wie die schon resümierten Komponenten funktioniert das GX 2×11 Schaltwerk. Trotz einiger unliebsamer Feindkontakte steht der Schaltwerkskäfig nach wie vor im Lot, nichts ist verbogen oder droht abzubrechen. Die Schaltvorgänge werden weiterhin flüssig-präzise verrichtet, ein Nachstellen der Zugspannung war auch hier bisher nicht notwendig. Selbst unter massivster Verschmutzung drehen sich die beiden Schaltwerksröllchen leichtgängig und ohne seitliches Spiel. Leichter Verschleiß an den Zähnen ist zwar erkennbar, solange die Kette aber exakt und ohne Springen geführt wird ist ein Austausch der Röllchen dennoch unnötig. Das ganze Schaltwerk an sich weist keinerlei Lagerungsspiel auf, es sitzt bombenfest auf dem Schaltauge.
Als angenehm sinnvolles Feature erwies sich die Cage Lock-Funktion des Schaltwerks, wodurch mittels Knopfdruck die Schwenkfunktion des Schaltwerkkäfigs gesperrt und der Hinterradausbau damit zum Kinderspiel wird. Im Testalltag ein sehr nützliches Detail!

********************************
Kassette & Kette

64 SRAM GX

Auch bei Kette und Kassette gab es keine Beanstandungen.

Die XG1180-Kassette und XX1-Kette funktionierten bis zuletzt gut, über den bereits beschriebenen Vorfall des Lockring-Zahnverlust beim LRS-Wechsel aufgrund einer ungünstigen Lockring-Werkzeug-Achsadapter-Kombination sowie die Umstellung auf ein Aftermarket-Wachs zur besseren Kettenkonservierung hatten wir zwischenzeitlich ja berichtet. Kassettenverschleiß und Kettenlängung bewegen sich dagegen im normalen Rahmen, beide Komponenten sind mit Sicherheit noch für einige hundert Kilometer gut.

**************************************************

70 SRAM GX

Wer eine vielseitige Tourengruppe sucht ist mit der SRAM GX bestens bedient – auf Wunsch schnell auf 1×11 umrüstbar.

Langzeit-Testfazit: SRAM GX – von wegen Einsteigergruppe! (mittlerweile wurde ja auch die SRAM NX als Einstieg in SRAMs 11-fach-Welt vorgestellt). Die Funktion ist ohne jeden Tadel und sowohl Haptik wie auch Optik der einzelnen GX-Komponenten liegen auf einem sehr hohem Niveau. Aus meiner Sicht darf sich die GX diesbezüglich auf einer Augenhöhe mit der japanische Konkurrent namens Shimano XT8000 sehen.
72 SRAM GXKleinere Detailschwächen fanden sihc in unserem Dauertest lediglich in dem Pressfit-Innenlager das bei nicht ganz optimaler Montage leichter verschmutzt und die stark schmutzanziehende Original-Schmierung der Kette. Dafür kann die GX-Gruppe mit kleinen Details wie etwa Cage Lock und natürlich dem derzeit breitesten 2×11 Gangspektrum alles Antriebe überzeugen. Weder bei steilen Ansteigen, noch auf schnellen Forstrassenabfahrten ist sie überfordert.
Deswegen: Für Tourenfahrer, die gerne lange Anstiege unter die Stollen nehmen oder sich generell eher im hochalpinen Gelände bewegen, hat SRAM mit der GX eine Gruppe im Programm, die mit tollem Preis-/Leistungsverhältnis inkl. vieler Features aus den teureren 11-fach Gruppen aufwartet und gleichzeitig mit geringem Verschleiß bei toller Haltbarkeit voll punkten kann. Aus unserer Sicht TOP!

***************************************

75 SRAM GX

RIDE ON!

Ausblick: Trotz größerer Übersetzungsbandbreite und angenehmerer Berggänge werde ich mit Testende mein Bike wieder auf 1×11 rückrüsten und ein 28er Directmount-Kettenblatt montieren. Warum? Die meiste Zeit des Jahres bewege ich mich im Mittelgebirge, wo mir ein 28er bzw. 30er Kettenblatt vollkommen ausreicht, wobei für mich der Antrieb vor allem im Uphill ausreichend Berggänge haben muss – ob ich bergab alles zusätzlich beschleunigen kann ist für mich eher zweitrangig. Den 2-fach Spider, Trigger und Umwerfer behalte ich aber, ein Umbau für Kurzurlaube in eine höhenmeter-intensive Region ist dann jederzeit und schnell durchgeführt. Die paar Gramm, die ich mir mit 1×11 einspare, sind für mich nebensächlich – zumal ich selbst auch einige Gramm zu viel mit mir herumschleppe, das sehr viel einfachere Cockpit ist für mich aber auch weiterhin eines der besten Argumente auch trotz eingeschränkter Übersetzungsbandbreite auf 1×11 zu setzen!

MiMü